• Lilie der Finsternis

    Lilie der Finsternis

    Lilie der Finsternis

    Norman Dark
    Lilie der Finsternis

    Der Schriftsteller Miles Wellington zieht mit seiner Ehefrau Kate und seinen beiden Kindern in ein altes Cottage in der Grafschaft York, das er von seiner verstorbenen Tante geerbt hat. Die Erbschaft, die auf den ersten Blick ein Glücksfall zu sein scheint, stellt sich im Nachhinein als schwere Bürde heraus: In dem Haus geschehen mysteriöse Dinge, deren Ursachen weit in die Vergangenheit zurückreichen. Als dann auch noch ein Verbrechen geschieht, droht die junge Familie an den Ereignissen zu zerbrechen.

    Print:  12,90 € 
    E-Book: 9,99 € 

     

     

    Leseprobe

    Gemeinsam trugen sie den Vitrinenschrank an seinen neuen Platz und begutachteten das Ergebnis. Miles trat einige Schritte zurück, um einen besseren Eindruck zu gewinnen. Plötzlich fiel sein Blick auf die leere Wand, in der jetzt deutlich so etwas wie eine Tapetentür zu erkennen war, die bisher die Vitrine vollständig verborgen hatte. Neugierig ging Miles darauf zu und suchte vergeblich einen Riegel oder Knauf. Es gab keinen.
    „Eigenartig. Was nützt eine Tür, die hinter einem Schrank verborgen ist?“, überlegte er.
    „Dahinter befindet sich eine Putzkammer“, meinte Kate. „Aber ich glaube nicht, dass es dort auch einen Türausschnitt gibt.“
    „Das können wir leicht feststellen“, sagte Miles und lief auf den Flur. Im Nebenraum suchte er mit einer Taschenlampe die angrenzende Wand ab, konnte aber keinen noch so schmalen Spalt finden. Plötzlich ließ er den Lichtkegel an die Decke gleiten und stellte zu seiner Überraschung fest, dass diese im hinteren Teil des Raumes schräg war und rechts hinter einem Regal fast bis zum Fußboden ging.
    Zurück im Salon tastete Miles vorsichtig die Wand um den Türausschnitt herum ab und wurde dabei erwartungsvoll von Kate beobachtet. Plötzlich gab es ein Knirschen, und die Tür schob sich langsam in die rechte Wandhälfte hinein. Ein Schwall modriger Luft schlug Miles entgegen. Hinter dicken Spinnweben verborgen führte eine schmale Treppe nach oben. Kate zögerte, ob sie Miles folgen sollte, aber schließlich siegte ihre Neugier.
    Am Ende der Treppe befand sich eine dunkle Holztür, von der die Farbe abblätterte. Im unteren Drittel befand sich ein rostiger Riegel.
    „Eins ist sicher“, flüsterte Miles. „Wenn Tante Harriet von dieser Schatzkammer wusste, hat sie diese lange nicht benutzt. Bist du sicher, dass wir weitergehen wollen? Wer weiß, was dort für Ungeziefer auf uns lauert.“
    „Vielleicht sollten wir Rattengift und Insektenspray mitnehmen“, sagte Kate atemlos.
    „Ich fürchte, für die Art von Ungeheuern, die dort hausen, werden wir kein probates Mittel haben.“
    Als Miles den rostigen Riegel aufschob, versteckte sich Kate ängstlich hinter seinem Rücken. Weil sie sich an seinem Hemd festklammerte, zog er sie förmlich hinter sich her. Der Raum war nur diffus beleuchtet, weil das einzige Fenster weitgehend mit Brettern vernagelt war.
    „Siehst du, es war keine Spiegelung, die ich vor einigen Tagen vom Garten aus gesehen habe“, meinte Kate. Einen Moment lang kostete sie ihren Triumph aus, denn Miles hatte ihr nicht glauben wollen, dass eines der Dachbodenfenster vernagelt war. Außerdem hatte sie den Dachboden als etwas kürzer als die Etage darunter empfunden. Doch auch dieses Argument hatte Miles durch die Unmengen von herumstehendem Gerümpel entkräftet, denn vollgestellte Räume wirkten nun einmal kleiner.
    Die Kammer musste schon Jahrzehnte in Vergessenheit geraten sein, denn sie war in einem erbarmungswürdigen Zustand. An den Wänden lösten sich breite Partien von Tapete, und auf der Kommode lag eine zentimeterdicke Staubschicht. Die darauf abgestellten Gegenstände waren mit dicken Spinnweben umhüllt, so dass man nicht auf Anhieb erkennen konnte, worum es sich handelte.
    In einer dunklen Ecke stand ein graues Bettgestell, das einmal weiß gewesen sein musste. Sein Einlegeboden war mit aufgeschlitzten Matratzen bedeckt, die fleckig und unappetitlich wirkten.In Kate kroch das Grauen empor, als sie die Riemen an Kopf- und Fußende bemerkte. Auch die verstaubte weiße Bettpfanne unter dem Bett flößte ihr Abscheu ein. Sie schrie erschrocken auf, als Miles den Lichtkegel der Taschenlampe auf einen altertümlichen Rollstuhl richtete, der ebenfalls an den Armlehnen und am Trittbrett breite Lederriemen aufwies. Eine fleckige alte Wolldecke war achtlos auf den Stuhl geworfen worden und hatte dabei eine Form angenommen, die auf den ersten Blick wie eine etwas klein geratene Person aussah. Ein Kind?

    Autorenvita

    Norman Dark wurde als Kind einer Deutschen und eines Amerikaners in Berlin geboren. Nach der Scheidung der Eltern wuchs er bei seiner Mutter auf. In der Schule zeigte sich sein Talent zum Schreiben. Inspiration für seine kleinen Geschichten fand er u.a. in den Filmen  von Hollywoods Schwarzer Serie. Nach dem frühen Tod der Mutter begann seine Sinnsuche und das Interesse für fernöstliche Religionen. In seinen Romanen führt er seine Leserschaft an berühmte europäische und amerikanische Schauplätze. Dabei schreckt er auch vor Themen wie Seelenwanderung oder Spuk nicht zurück.

    1. Auflage
    188 Seiten
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Print:
    ISBN 978-3-943018-08-0
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 19,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-09-7

  • Im rauen Gegenwind

    Im rauen Gegenwind

    Im rauen Gegenwind

    Meike Janssen
    Im rauen Gegenwind
    Ein Ostfriesland-Roman

    Eigentlich ist Mareke nur für eine Familienfeier in ihre ostfriesische Heimat zurückgekehrt, die ihr längst fremd geworden ist. Die ehrgeizige, erfolgreiche Historikerin möchte ein paar Tage Urlaub machen, um über den Heiratsantrag ihres Freundes nachzudenken. Sie kann es jedoch nicht lassen und beschließt, ausgerechnet ihre frühere Schule in ein Projekt aufzunehmen, an dem sie gerade arbeitet. Ihre Erinnerungen an die schwierige Zeit, die sie dort verbracht hat, glaubt sie, von diesem Vorhaben trennen zu können.
    Durch die ständige Konfrontation mit Ostfriesland und seinen Besonderheiten gelangt sie jedoch schon bald an die Grenze ihres Ehrgeizes und setzt sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinander.

    Print: 12,90 €  
    E-Book: 9,99 € 

    Leseprobe

    Von Berlin wegzukommen, bedeutete auch, für ein paar Tage von Henry wegzukommen. Er hatte ihr vor kurzem während einer gemeinsamen Englandreise einen Heiratsantrag gemacht und sie damit völlig verstört. Sie brauchte etwas Abstand, um darüber nachzudenken. Sie liebte Henry über alles, aber an den Gedanken, dass er den Rest seines Lebens mit ihr verbringen wollte, hatte sie sich noch nicht gewöhnt. Den Antrag hatte sie zunächst verwirrt abgelehnt und sich Bedenkzeit ausgebeten. Henry hatte sie traurig, aber verständnisvoll wegfahren lassen. Mareke war ihm dankbar dafür und hoffte genau wie er, dass sie in den nächsten Tagen eine endgültige Antwort finden würde.
    Am nächsten Morgen dachte sie an ihren ersten Besuch beim Schloss und fragte sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, ausgerechnet hierher zu kommen. Warum nur war ihr nichts Besseres eingefallen als im Schatten ihrer alten Schule und anlässlich der Goldenen Hochzeit ihrer Eltern diese Frage aller Fragen beantworten zu wollen? Mareke schüttelte über sich selbst den Kopf, während sie beobachtete, welche Form das Wölkchen auf dem Tee heute annahm.
    Nach dem Frühstück fuhr sie mit einem Fahrrad ihrer Pensionswirtin die wenigen Kilometer bis an die Nordsee. Als sie angekommen war, ließ sie sich erschöpft in den Sand fallen. Hinter ihr mähten die Schafe pflichtbewusst den Deich. Der Strand war zum Glück leer, es wollte noch nicht einmal jemand die unsägliche Kurtaxe von ihr. Doch dies würde sich schnell ändern, wenn die Saison wieder anfing. Dann würde sie mit Papa wieder herkommen müssen, dachte sie, der kannte früher alle Tricks, um kostenlos an den Strand zu kommen.
    Langsam kam sie wieder zu Atem. Der Gegenwind hatte ihr zu schaffen gemacht.
    „Seltsam, nicht? Als du noch jeden Morgen um sieben mit dem Fahrrad zur Bushaltestelle fahren musstest, hat dir der Wind nicht so viel ausgemacht, oder?“, spottete etwas in ihr.
    Allerdings verdrängte sie lieber den Gedanken, dass ihre Kondition durch das Großstadtleben offenbar gelitten hatte, und blickte hinaus auf das Wattenmeer.
    Die Flut hatte wieder eingesetzt. Wie alt war dieses Meer schon? Was hatte es schon alles gesehen? Wie viele Schiffe waren untergegangen und Menschen ertrunken? Wie viele Menschen hatten früher im Dunkeln die Sandbänke mit der Küste verwechselt und waren jämmerlich ums Leben gekommen? Auch heute konnten es immer noch einige Leichtsinnige nicht lassen, auf eigene Faust im Wattenmeer herumzuwandern, und wurden böse überrascht, wenn das Wasser schneller wieder heranzog, als sie dachten. Wie viele Sturmfluten hatten das Land immer wieder verwüstet, bevor man mit dem Deichbau begann? Well neet will dieken, de mutt wieken. Da hatte es nichts gegeben. Es gab viele Geschichten von versunkenen Orten irgendwo zwischen der Küste und den Inseln. Wie viele Quadratmeter Land hatten die Menschen dem Meer seitdem wieder abgerungen? Und wann würde das Meer sich dieses Land zurückholen?
    Mareke beobachtete lange das heranziehende Wasser und mit jedem Wellenschlag wurde die Stimme in ihr lauter

    Autorenvita

    Meike Janssen, 1971 in Aurich geboren, wuchs als jüngstes von vier Geschwistern auf dem Land in Ostfriesland auf und entdeckte schon früh ihre Liebe zum Schreiben. Nach ihrer Schulzeit zog sie nach Berlin und studierte Betriebswirtschaft in Berlin und Cambridge. Die Besuche in ihrer norddeutschen Heimat nutzt sie gerne zum ausgiebigen Fahrradfahren. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. „Im Gegenwind“ ist ihr erster Roman.

    1. Auflage
    228 Seiten
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Print
    ISBN 978-3-943018-55-4
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-944266-03-9