• Autoren aufgepasst! – Ausschreibung des hnb-verlags

     

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    Der hnb-verlag möchte zukünftig sein Programm noch mehr auf aktuelle Trends und neue Genres ausrichten. Zu diesem Anlass startet er eine Ausschreibung, um Autoren die Möglichkeit einer Buchpublikation zu eröffnen. Die besten Manuskripte werden von einer Fachjury ausgewählt und mit einer Buchveröffentlichung belohnt.

     

     

    Ausschreibungsthemen 2015:

    1. Liebesgeschichten mit problematischem Hintergrund:

    Romantische Liebesgeschichten mit spannendem Konfliktpotential, z. B. Krankheit, Armut, Verbrechen, schicksalhafte Begegnungen, Betrug, Verrat, Neid usw.

    2Young Romantic Fantasy

    Spannende fantastische Liebesgeschichten für junge Erwachsene.

    3. Crime & Mystery

    Spannende, außergewöhnliche und mysteriöse Geschichten, die für Nervenkitzel sorgen.

    4. Erotische Liebesgeschichten

    Leidenschaftliche, romantische Liebesbeziehungen mit Pfiff. Lustvolle erotische Erlebnisse, über die man eigentlich nicht spricht.

    5.Thriller

    Packende, spannende und fesselnde Geschichten, die den Leser nicht mehr ruhen lassen.

    6. Fantasy-Abenteuer

    Magische, mystische und geheimnisvolle Geschichten aus fremden Welten.

    Wer diese Gelegenheit nutzen möchte, sendet sein unveröffentlichtes Manuskript zusammen mit einem Exposé,  einem kurzen Lebenslauf und einer Publikationsliste per Mail im Word- oder PDF-Format an folgende Adresse:

    info@hnb-verlag.de

    Einsendeschluss ist der 30.06.2015

    Teilnehmen dürfen Personen ab dem 18. Lebensjahr, ausgenommen sind Mitarbeiter und Angehörige des Verlags.

    „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ – unter diesem Motto erhalten alle frühzeitigen Einsendungen die Chance, schon im 2. Halbjahr 2015 in das Buchprogramm des hnb-verlags aufgenommen zu werden. Dies bedeutet eine Buchveröffentlichung noch in diesem Jahr.

    hnb-verlag 15.01.2015

     

  • Lui – gemeinsam gegen die Ratten

    Cover Lui vorne - kleinFunda Agirbas
    Lui – gemeinsam gegen die Ratten

    In Berlin sind die Ratten dabei, die Herrschaft zu übernehmen – nicht die Diebe und Trickbetrüger, wie sie in Friedrichshain unterwegs sind, sondern die Mafia aus Kreuzberg, deren Anführer Odium in seiner Selbstherrlichkeit und Machtgier keine Grenzen der Brutalität kennt.
    Um sich zu wehren, haben die anderen Tiere die ARM, die Anti-Ratten-Mafia, gegründet. Ihre Anführerin ist die wunderschöne Katze Safiye, die es vermag, den Kampf mit Klugheit und Geschick zu führen und dabei ihren Grundwerten von Freiheit und Gleichheit treu zu bleiben. Als sie sich ausgerechnet in Lui, den einzelgängerischen Fuchs aus dem Treptower Park, verliebt, werden die anderen Tiere misstrauisch. Die Lage spitzt sich zu, als Safiye entführt wird …
    Zwischen Müllcontainern in den Hinterhöfen und geheimen Orten auf den Friedhöfen, zwischen Dönerresten auf dem Mehringdamm, den Düften aus einem indischen Restaurant beim Südstern und dem Morgengrauen über dem Engelbecken entfaltet sich eine packende Handlung mit starken Charakteren für Jugendliche ab 12 Jahren.

    Print: 14,90 €
    E-Book: 9,99 €

    Leseprobe:
    „Dürfen wir den Herrn einen Moment stören? Denn der Herr frisst sich durch unsere Vorratskammer!“
    „Und wir haben ihn nicht eingeladen, oder?“, ergänzte eine zweite, etwas tiefere Stimme. „Wir haben ihm nicht angeboten, sich aus unserem Topf zu bedienen.“
    Beide krächzten ein widerliches Lachen. Lui machte mit einem gekonnten Sprung eine scharfe Drehung und stand nun als eindrucksvolle Erscheinung vor den beiden Ratten. Einen kurzen Moment schoss ihm durch den Kopf, dass die zwei für ihre Gattung verflucht groß und schwer waren. Zumindest hatte er das Gefühl, dass die Ratten in Kreuzberg langsam, aber sicher zu Riesen-Nagetieren mutierten. Er sah sie mit sicherem Blick an. Die zwei waren ebenfalls sichtlich beeindruckt von Luis Größe, denn auch er war für seine Art sehr ansehnlich gewachsen.
    Lange hielt dieser Zustand aber nicht an. Ihre Dreistigkeit überwog prompt. Die Größere der beiden schritt langsam auf Lui zu. Ihre ohnehin schon winzigen Augen verzogen sich zu schmalen Schlitzen, als sie zischte: „Das ist unsere Futterstelle. Das war sie schon immer, Fuchs.“ Die zweite Ratte zog nach.
    Lui verunsicherte die Arroganz der beiden, denn auch wenn sie zu zweit waren und für ihre Art recht groß, hätten sie im Falle eines Kampfes keine Chance gegen ihn. Er lächelte überlegen. „Ach, so ist das“, entgegnete er herausfordernd.
    „Ja, das meinen wir“, konterte die Große.
    Wieder kamen die beiden näher, und nun fletschte Lui die Zähne. Die Ratten blieben daraufhin zwar stehen, doch ihre Angriffslust lag eindeutig noch zwischen ihnen.
    „Wir sagen es dir nicht ein zweites Mal. Das ist unsere Futterstelle!“, warnte die Kleinere.
    „Ach, und was genau habt ihr zwei Mäuschen vor, um mich aufzuhalten?“ Lui entspannte seine Haltung, um seine absolute Überlegenheit zu demonstrieren, während den Ratten der Zorn ins Gesicht geschrieben stand.
    Als plötzlich die Neonröhre mahnend aufzischte und für einige Sekunden erlosch, konnte Lui das schnelle Trippeln der Rattenfüße vernehmen. Sofort nahm er seine Kampfstellung ein. Sein Gebiss blitzte drohend auf, und mit angelegten Ohren und angespanntem Körper war er bereit, sie anzufallen.
    Die Beleuchtung setzte mit einem Dauerflimmern wieder ein. Lui versuchte eiligst, seine Augen an das Flackern anzupassen, doch es fiel ihm schwer. Einzelne Bilder wirkten in Sekundenschnelle auf seine Wahrnehmung ein, bis ihm schmerzlich bewusst wurde, dass der ganze Hof von kolossalen Ratten übersät war – eine größer als die andere. Sie hatten ihre Aufmerksamkeit uneingeschränkt auf ihn gerichtet. Ihre Pfoten bohrten sich in den Asphalt, die Leiber bogen sich in eine bedrohliche Sprungposition, und ihre Nagezähne leuchteten ihm gefährlich entgegen. Jeden Moment würden sie angreifen. Ihm blieb keine andere Wahl, als so schnell wie möglich zu verschwinden.
    Lui erfasste den Raum. Er war eingekesselt, und die Hintertür des Gebäudes war von einem der Müllcontainer versperrt. Jetzt musste er schnell handeln, das Herz schlug ihm heftig gegen die Brust, und sein scharfer Verstand arbeitete auf Hochtouren. Ein paar Ratten waren für ihn kein Thema. Gerade fixierten ihn aber mindestens fünfzig ihrer Art. Plötzlich entdeckte er ein offenes Fenster. Mit einem gekonnten Satz schwang er sich auf den Container und sprang direkt durch die Öffnung ins Innere des Hauses.

    Autorenvita

    Funda Agirbas, 1976 in Mannheim geboren, arbeitet und lebt seit acht Jahren mit ihrer Familie in Berlin. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre zog es sie in die Hauptstadt, wo sie eines Abends bei einem Spaziergang einem Fuchs begegnete und sich entschloss, über das Leben der Tiere in Berlin zu erzählen.

    1. Auflage
    ca. 240 Seiten
    Softcover, Klebebindung
    WG Kinder und Jugend
    Print:
    ISBN 978-3-943018-85-1
    € 14,90 (D) / € 15,90 (A) / sFr 22,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-86-8

     

  • Die Verlockung des schwarzen Kristalls

    Cover Die Verlockung des schwarzen Kristalls vorne - kleinJanina Breidt
    Die Verlockung des schwarzen Kristalls

    Gareth und Dinivan, zwei Freunde aus dem kleinen Dorf Darmalon, ahnen nicht, dass um sie herum nichts so ist, wie es scheint. Die beiden attraktiven Draufgänger lassen kein hübsches Mädchen an sich vorbeiziehen, bis Gareth nach Jahren seiner wahren Liebe Arieen über den Weg läuft und daran zu zerbrechen droht, denn Arieen ist die Einzige, die seinem Charme widerstehen kann.
    Doch eine gefährliche Mission führt Gareth und Arieen wieder zusammen. Auf der Suche nach dem schwarzen Kristall versucht Gareth zunächst, seine Gefühle für Arieen zu ignorieren. Dabei ahnt er nichts von den Intrigen gegen ihn, Arieen und den Rest seiner Truppenmitglieder.
    Welches Geheimnis verschweigt Arkon, der oberste Magier von Darmalon, und was hat es mit der Schwesternschaft des Lichts auf sich? Warum verwandelt Gareth sich, je näher sie dem Kristall kommen? Und vor allem wer ist es, der gegen alle eine Intrige zu spinnen versucht?

    Print: 12,90€  Termin ca. Herbst 2015
    E-Book: 9,99 €  Termin ca. Herbst 2015

    Leseprobe:
    Als er am nächsten Morgen wach wurde und verschlafen unter seiner Bettdecke hervorkroch, konnte er zuerst gar nicht glauben, was oder wer da vor ihm stand. Bis …
    „Hallo Gareth“, flüsterte eine liebliche Stimme ihm zu. Es klang für ihn wie seine Lieblingsmelodie. Im ersten Augenblick konnte er überhaupt nichts antworten, zu sehr war er von ihrer Schönheit und Anmut gefesselt. Konnte es wirklich sein, dass sie hier vor seinem Bett stand und in aller Ruhe mit ihm sprach, obwohl er sie gestern Morgen so verletzt hatte?
    Sie setzte sich neben ihn auf das Bett. „Gareth, ich kann dich nicht so unwissend ziehen lassen. Ich bin noch einmal zu dir gekommen, um mit dir zu reden.“
    Er begann, etwas zu erwidern, doch sie hielt ihm den Mund zu. Als ihre Hände seinen Mund berührten, erfüllte ihn ein Gefühl, nach dem er sich so sehr gesehnt hatte. Wie warm und weich ihre Hände doch waren und welch lieblichen Duft sie verströmten.
    „Arieen, ich möchte dir gerne so viel sagen“, begann er, doch Arieen hatte sich inzwischen wieder von der Bettkante erhoben und sich ein Stück weit von ihm entfernt.
    „Gareth, wenn ihr zu dieser Expedition aufbrecht, seid ihr in großer Gefahr.“ Sie sah sich etwas ängstlich im Zimmer um, um mögliche unfreiwillige Zuhörer gleich zu entdecken.
    „Wie meinst du das, wir sind in Gefahr? In welcher Hinsicht?“ Leise erhob er sich, um Dinivan nicht aufzuwecken. Mit seinem nackten Oberkörper baute er sich absichtlich ein wenig provozierend vor Arieen auf, und er spürte, wie er sie für einen kurzen Augenblick aus der Fassung brachte. Ihre Verlegenheit und die Röte auf ihren Wangen konnte sie nur schlecht verstecken.
    Schüchtern sah Arieen zu Boden und musste sich eingestehen, dass sie ihren Blick nicht von ihm lassen konnte. Noch einmal drehte sie sich verstohlen nach Gareths sehr ansprechendem Körper um und wurde dabei sofort von ihm erwischt. Was für sie selbst äußerst peinlich war, quittierte er mit einem amüsierten Lächeln. Er genoss es sichtlich und kam noch ein wenig weiter auf sie zu. Stück für Stück wich sie zurück, bis sie an der Wand angelangt war und ihm nicht mehr ausweichen konnte.
    Immer noch stand Gareth ihr so provozierend gegenüber, und so musste sie erst kurz überlegen, was sie ihm weiter erzählen wollte.
    „Du wolltest mir sagen, warum wir in Gefahr sind“, half er ihr auf die Sprünge.
    „Richtig“, stammelte sie und sah ihm plötzlich eindringlich in die Augen. „Wenn ihr euch auf den Weg macht, seid ihr alle in großer Gefahr. Denn der Kristall ist gefährlicher, als wir es alle für möglich halten. Ich kann nicht genauer darauf eingehen, denn ich habe nur wenig Zeit.“ Hastig holte sie etwas aus ihrem Beutel, den sie um den Hals trug. „Hier, ich möchte, dass du diesen Stein immer bei dir trägst. Und ich hoffe, dass er dich vor der Macht des Kristalls beschützt. Es ist ein Mondkristall, der die böse Aura einfängt, bevor sie Besitz von dir ergreift.“ Sie hielt den kleinen Kristall, der an einem ledernen Band hing, fest in der Hand.
    „Und warum soll gerade ich ihn tragen?“
    „Damit er dich beschützt.“
    „Mich? Und wer will, dass mir nichts passiert?“
    Nach langem Schweigen hörte Gareth endlich die Worte, die er Arieen hatte entlocken wollen.

    Autorenvita

    Janina Breidt, geboren 1982, wuchs im schönen Saarland auf. Dort lebt sie heute noch mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Ihre ersten Geschichten schrieb sie mit zwölf Jahren, es folgten zahlreiche Gedichte. Später musste sie jeden Abend ihren Kindern selbst erfundene Geschichten erzählen. Dies bewog sie letztendlich dazu, die Ideen in ihrem Kopf endlich niederzuschreiben, um so ihre Fantasie mit anderen teilen zu können.

    Voraussichtlicher Termin -Herbst 2015

    1. Auflage
      ca. 150 Seiten
      Softcover, Klebebindung
      Print:
      ISBN 978-3-943018-79-0
      € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
      E-Book (EPUB):
      ISBN 978-3-943018-80-6

     

  • Im Nebel des Falken

    Cover Im Nebel des Falken vorne - kleinDaniel Rekowski
    Im Nebel des Falken 

    Emma, eine junge Assistenzärztin an der Berliner Charité, erhält von ihrem Vorgesetzten den Patienten David zugewiesen, der vor fünfzehn Tagen auf unerklärbare Weise ins Koma gefallen ist. Auch seine Genesung scheint alles andere als gewöhnlich zu verlaufen.
    Emma fühlt eine innere Verbindung zu David und will ihm um jeden Preis helfen. Doch wie hoch ist dieser Preis? Emma stellt ihre Berufung als Ärztin in Frage und begibt sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Was sind wir? Sterben wir einfach, oder bleibt irgendetwas von uns auf dieser Erde zurück? Gibt es Verbindungen in andere Zeitepochen? Emma zweifelt an ihrem gesamten Weltbild und setzt für die Antworten auf ihre Fragen vieles aufs Spiel.
    Währenddessen erlebt David eine unglaubliche Reise in eine vergangene Zeit …
    Eine spannende und zugleich nachdenkliche Geschichte über das Leben nach dem Leben, die den Leser auch in die Welt von König Heinrich I. von Sachsen im 10. Jahrhundert n.Chr. entführt.
    Print: 12,90€ 
    E-Book: 7,99€ 

    Leseprobe:
    Plötzlich schießen Dr. Miller und Anika am Ende des Flurs um die Ecke und hetzen an Emma vorbei. Sie traut sich nicht, die beiden anzusprechen, sondern schließt sich ihnen an. Mit jedem Meter wird ihr klarer, was das Ziel der Hektik ist: Zimmer 4.
    Nun wird auch Emma schneller. Ohne wichtigen Grund würde Anika niemals Dr. Miller auf eine solche Weise durch das Haus jagen. Mit Bangen legt Emma die letzten Meter zurück und bleibt in der Tür des Krankenzimmers stehen. Dr. Miller und Anika sind bereits am Krankenbett angekommen, wo Dr. Miller die Vitalfunktionen des Patienten prüft. Auf den ersten Blick kann Emma nichts Ungewöhnliches erkennen. Dr. Miller sieht Emma im Augenwinkel und winkt sie ohne Worte zu sich heran. Sie tritt nach vorne und schaut in Davids Gesicht. Da sind sie wieder, die tiefen Furchen in der Wange und das gebräunte, vertrauensvolle Gesicht. Immer noch nichts Auffälliges. Doch, jetzt sieht sie es. Eine Bewegung der Augen hinter den geschlossenen Lidern. Ein Zucken. Und noch eines. Die Instrumente geben jedoch nichts Außergewöhnliches preis. Sie piepen wie immer, schnaufen wie immer, und das leise Tropfen der Flüssigkeiten klänge auch wie immer, würden die Geräusche, die Dr. Miller verursacht, nicht alles übertönen.
    „Vitalfunktionen normal. Seltsam.“ Mehr gibt Dr. Miller nicht von sich, bevor er ein zweites Mal mit seinem Check beginnt. Auch er überprüft die Aufzeichnungsgeräte und kann keine Auffälligkeit feststellen.
    Jetzt erst dreht er sich zu Emma und Anika um. „Ich weiß nicht, was hier genau los ist, aber wir beobachten das weiter. Erst mal nichts Ungewöhnliches.“
    Emma kennt diesen letzten Satz zur Genüge: erst mal nichts Ungewöhnliches. Wie sie diesen Satz bei Dr. Miller hasst. Erst mal nichts Ungewöhnliches. Und dann auch noch mit diesem englischen Akzent, der ohnehin schon etwas hochnäsig klingt. Diesen Satz, das weiß Emma mittlerweile, verwendet Dr. Miller sehr gerne bei Auffälligkeiten, die auch er mit den Erfahrungen aus seiner ach so langen Karriere nicht erklären kann. Und solange Auffälligkeiten nicht gesundheitsgefährdend sind, hinterfragt er sie nicht weiter und geht seiner täglichen Arbeit nach. Noch nicht einmal später, wenn er zur Ruhe gekommen ist, beschäftigt er sich damit. Dinge, die nicht zu erklären sind, braucht man auch nicht zu erklären. Sie kommen und gehen wieder – das ist seine Welt.
    Emma schaut Dr. Miller hinterher, der mittlerweile weitere Aufgaben an Anika delegiert und sich dabei wieder aus Zimmer 4 entfernt. Anika blickt sich noch einmal zu Emma um, muss aber Dr. Miller, der ständig weiterredet, hinaus auf den Gang folgen. Bald dringen die belehrende Stimme ihres Mentors und Anikas kurze Antworten nur noch von Weitem an Emmas Ohr. Sie starrt in das Gesicht ihres Patienten und fixiert seine geschlossenen Augen.
    Plötzlich hört sie Schritte. Anika ist zurückgekommen, legt die Hand auf Emmas Schulter und folgt ihrem Blick zu Davids Augen.
    Emma spürt den fragenden Ausdruck in Anikas Gesicht und flüstert: „Ich weiß es nicht. Ich verstehe das auch nicht. Wie soll das gehen?“
    Anika klopft Emma mit der Hand auf die Schulter. Sie kennt Emma und hat sie nur ganz selten so unsicher erlebt.
    Emma mustert wieder die Geräte. Keine Auffälligkeiten.
    „Das dürfte eigentlich so nicht sein“, antwortet Anika. „Wer weiß, was der gerade durchmacht.“ Dann klopft sie Emma ein weiteres Mal auf die Schulter und lässt sie allein im Raum zurück.
    Emma wendet sich wieder David zu – und noch einmal: ein Zucken hinter den geschlossenen Lidern, aber keine Veränderung an den Geräten. Diese bestätigen immer noch einen stabilen, im Koma liegenden Patienten. Emma erinnert sich an Anikas letzten Satz: Wer weiß, was der gerade durchmacht. Dieser einfach nur so daher gesagte Satz beinhaltet wahrscheinlich viel mehr an Wahrheit, als diejenige, aus deren Mund er stammt, jemals wissen wird.

    Autorenvita

    Daniel Rekowski, Jahrgang 1972, spezialisierte sich nach seiner klassischen Berufslaufbahn als Bankkaufmann und Betriebswirt im Bereich des Persönlichkeitstrainings. In mehreren Stationen als Führungskraft unterschiedlicher Unternehmen erkannte er die Wichtigkeit der Etablierung emotionaler Kompetenz im Gesundheitswesen. Sein Interesse an frühmittelalterlicher Geschichte führte ihn zu mittlerweile verloren gegangenen Werten der Menschlichkeit und emotionaler Achtsamkeit. Die Frage nach dem Wert unseres Geistes und was von ihm übrig bleibt, ist ihm ein großes Anliegen.

    1. Auflage
    ca. 190 Seiten
    Softcover, Klebebindung
    Print:
    ISBN 978-3-943018-77-6
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-78-3

  • Verhängnisvoller Abgrund

    Verhängnisvoller Abgrund

    Verhängnisvoller Abgrund

    Jörg Reibert
    Verhängnisvoller Abgrund
    Er ist jung, gut aussehend und hat momentan eine Pechsträhne. Alexander Martin war in seiner Firma unersetzlich und wichtig. Doch nun ist er arbeitslos und dringend auf der Suche nach einem neuen Job. Warum hört er nichts zu den Bewerbungen, die er an Silke Rohrbach, die Mitarbeiterin der Personalabteilung, geschickt hat? Gerade eine Anstellung in ihrem Konzern hätte ihn besonders gereizt. Frustriert beginnt er, sie zu verfolgen und in ihr Privatleben einzudringen. Schließlich verstrickt er sich immer tiefer in die Geschichte und kommt Silke näher als geplant …
    Ein Krimi aus den Augen des Täters. Dem Leser öffnet sich ein verhängnisvoller psychopathischer Abgrund.
    Print 12,90 €
    E.Book  10,99 €

    Leseprobe

    Der folgende Abend war dämmrig genug für mein Vorhaben. Ich hatte mir ein schwarzes Hemd und eine dunkle Hose angezogen. Der Busch, an dem ich bereits gesessen hatte, würde mich verbergen. Dazu war das Gras an den Seiten hoch genug gewachsen, sodass ich mich völlig verstecken konnte. Ein bisschen kam es mir wie die Spielereien vor, die wir während der Bundeswehrzeit veranstaltet hatten. Mit Schminke im Gesicht und den Helm mit Gras und Moos getarnt waren wir durch die Wälder geschlichen, immer auf der Hut vor dem bösen Feind, der uns überfallen sollte. Dabei hatte ich feststellen können, wie gut in der Dämmerung graue Kleidung mit der Umgebung verschmilzt. Das wollte ich auch heute Nacht ausnutzen. Mein Fernglas hatte ich in die Tasche meiner Cargo-Hose geschoben. Diesmal würde ich nicht der harmlose Tourist sein, sondern auf den Schutz der Dunkelheit bauen. Für den Fall, dass jemand dumme Fragen stellte, hatte ich etwas Toilettenpapier eingesteckt und würde auf ein menschliches Bedürfnis verweisen. Das müsste sicherlich jeden von weiteren Nachforschungen abhalten.
    An meinem Zielort angekommen war alles perfekt für mich hergerichtet. Die Wohnzimmerfenster waren hell erleuchtet. Die anderen beiden Fenster lagen im Dunkeln, aber das war egal, da Silke Rohrbachs Figur sich hell und deutlich im Zimmer abzeichnete. Sie hielt ein mobiles Telefon ans Ohr und lief hin und her. Die Fenster waren zwar offen, von dem Gespräch konnte ich jedoch nichts mitbekommen, da die Entfernung zu groß war.
    Ich nahm mein Fernglas aus der Hülle und hielt es mir an die Augen. Sie war scharf zu sehen. Ich konnte ihre Gesichtszüge deutlich erkennen. Ihr schulterlanges braunes Haar trug sie diesmal offen. Eine Ähnlichkeit mit dem Klassenfoto war erkennbar.
    Da sie telefonierte, konnte ich ihr Minenspiel studieren. Manchmal lachte sie, manchmal wirkte sie nachdenklich. Dadurch, dass sie permanent hin und her lief, bekam ihr Ausdruck bisweilen etwas Gehetztes. Ich war sehr zufrieden.
    Der nächste interessante Aspekt war, dass ich Einblick in ihre Wohnung erhielt. Zwar konnte ich nur den oberen Teil des Wohnzimmers erkennen, aber immerhin. Auf der linken Seite des Zimmers stand ein Vitrinenschrank. Seinen Inhalt konnte ich nicht erkennen. Rechts stand offensichtlich eine Couch an der Wand, auf die sie sich ab und zu niederließ. Neben der Couch stand ein mannshoher Ficus. Ein paar größere Bilder hingen an der Wand, scheinbar gerahmte Kunstdrucke, die ich jedoch nicht zuordnen konnte. Alles in allem machte das Zimmer einen hellen, aufgeräumten und gemütlichen Eindruck. Die Bewohnerin passte dazu.
    Mir wurde klar, dass ich auch mit längerer Beobachtungszeit nicht viel mehr Informationen über sie gewinnen würde. Die Vorstellung, sie leichtbekleidet durch die Wohnung spazieren zu sehen fand ich zwar nicht uninteressant, das war jedoch nicht das, was ich beabsichtigte. Was ich wollte, waren mehr Informationen über sie als Person.

    Autorenvita

    Jörg Reibert wurde 1972 in Braunschweig geboren. Er studierte Maschinenbau und promovierte später im Fach Technikgeschichte. Heute arbeitet und lebt er mit seiner Familie in Bamberg. Der Roman „Verhängnisvoller Abgrund“ ist sein belletristisches Debüt.

    1. Auflage
    188 Seiten
    Softcover, Klebebindung
    Print:
    ISBN 978-3-943018-61-5
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-62-2

  • Blümchen, Streifen und Rollmops

    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Dietrich Novak
    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Berlin-Charlottenburg, Kaiserdamm: ein 100 Jahre altes, typisches Berliner Mietshaus, stellvertretend für so viele andere. Seine fiktive Geschichte erzählt in humorvoller und warmherziger Weise von den kleinen und großen Sorgen seiner Bewohner und ruft Erinnerungen wach an Kaisers Zeiten, die Goldenen Zwanziger, das Hitler-Berlin, die Zeit der Berliner Mauer, die Wiedervereinigung bis hin zur Jahrtausendwende.

    Print:  16,90 €
    E-Book:  11,99 €

     
    Unterhaltsam, aber auch nachdenklich schildert die Geschichte nicht nur die persönlichen Schicksale der Menschen, die in diesem Haus leben, sondern wirft auch einen Blick auf die politischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit, die Modeerscheinungen, die Musikstile und vieles andere mehr.
    Dabei kommen natürlich auch die berühmte „Berliner Schnauze“ und der typische Berliner Humor nicht zu kurz.

    Leseprobe

    Friederike und Otto Wiltkowsky saßen im Berliner Zimmer, das ihnen als Wohnzimmer diente. Der Hausherr döste auf dem Diwan vor sich hin, und seine Gattin lauschte der Musik, die von der Schelllackplatte kam, die sich auf dem Teller des sechseckigen Grammophons mit goldenem Blechtrichter drehte.
    „Mensch, Riekchen, der olle Caruso schreit ja wieder, als ob ihm wat weh tut.“
    „Ich habe schon die leisen Nadeln genommen“, sagte Friederike indigniert.
    „Hilft nur nischt. Bei seinem „O sole mio“ fällt mir ein, dass meine Stiebel mal wieder neue Sohlen brauchen. Na, wenigstens haste nich’ den Riegelotto jenommen.“
    „Wenn ich Rigoletto hören will, gehe ich in die Oper.“
    „So? Na denn weeß ick nich’, warum de die Platte jekooft hast.“
    „Damit man hinterher noch einmal die Arien hören kann, wenn man noch in Stimmung ist, du Ignorant.“
    „Dit is’ aber nich’ nett, wenn de mir so bezeichnest. Ick hab nur nich’ so viel Kulturverstand wie du.“
    „Ja, das weiß ich ja“, antwortete Friederike etwas genervt, weil sie es leid war, diese Art von Diskussionen zu führen. „Im Moment interessiert mich ganz etwas anderes. Wir müssen uns entscheiden, ob wir dem Paulicke die Wohnung im Seitenflügel geben.“
    „Warum nich’? Jetzt, wo er det Aufgebot bestellt hat. So oft, wie der hier im Haus zu tun hat, kann er ooch gleich hier wohnen, da hat er’s nich’ weit. Kann sozusagen in Latschen Malern jeh’n.“
    „Ich weiß, ich finde ihn ja auch nicht unsympathisch, aber schließlich…Was ist, wenn er arbeitslos wird? Die kleine Schuster wird die große Wohnung von ihrem Lohn nicht bezahlen können. Es hätte doch wirklich gereicht, wenn er bei ihr eingezogen wäre.“
    „Und wenn sich wat Kleenet ankündigt? Soll’n se denn zu dritt in det eene Zimmer wohnen?“
    „Warum nicht? Gegen Berthas und Augustes Kammer ist das geradezu ein Palast. Außerdem sollte das Personal, und dazu zähle ich auch die Handwerker, mehr unter sich bleiben. Als nächstes kommt noch Auguste mit einem Bräutigam an und will im Hinterhaus wohnen. Nein, irgendwie gefällt mir das nicht.“
    „Ach Riekchen, nu’ sei doch nich’ so. Warum soll’n die Arbeiter immer nur in ihre armen Bezirke wohnen? Charlottenburg is’ doch ooch nischt so Besonderet, wenn ick an Zehlendorf oder Wilmersdorf denke.“
    „Und warum haben wir dann hier gebaut und nicht im Grunewald oder am Wannsee?“
    „Weil det Bauland hier billiger war. Noch besser wären wir wech gekommen, als et noch `nen Sandweg und keen Kaiserdamm jejeben hat. Aber da hatte ick ja die Knete noch nich’. Außerdem hätt`ste im Jrunewald oder am Wannsee nich’ det Vergnügen jehabt, zu erleben, wie der Kaiser quasi unter unserem Haus U-Bahn fährt.“
    Am 16. März 1908 befuhr nämlich Kaiser Wilhelm II. erstmals diese Linie. Offiziell wurde die Strecke am 29. März eingeweiht. Die zwei vorhandenen Linien fuhren aber nicht weiter bis zum Reichskanzlerplatz, vielmehr wurde eine dritte Linie eröffnet, die nur zwischen Bismarckstraße und Reichskanzlerplatz verkehrte.
    „Wenn du mich nur aufziehen kannst“, sagte Friederike sichtlich verstimmt. „Also gut, wenn du meinst, geben wir unsere Zustimmung zum Mietvertrag, aber mach’ mir hinterher keine Vorwürfe. Ich habe dich gewarnt.“
    „Wat soll schon passieren? Wenn det Jeld knapp wird bei Paulickes, könn` se immer noch inne Einzimmerwohnung zurückziehen. Wenn bei uns nischt frei is’, denn eben in `nem anderen Haus.“
    „Das sagst ausgerechnet du als Geschäftsmann. Damit wären sie als Mieter für uns verloren.“
    „Ick denke, du legst ohnehin keenen jesteigerten Wert uff Domestiken.“
    „Deshalb muss ich sie ja nicht in ihr Unglück rennen lassen.“
    „Nee, det schaffen se schon janz alleene.“

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Schon bald schrieb er eigene Theaterstücke, die allesamt zur Aufführung kamen. Nebenher verfasste er Romane und Drehbücher, in denen er seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Schreiben. Er beschäftigt sich auch gerne mit der jüngsten Vergangenheit und hält mitunter einen nostalgischen Rückblick auch auf das eigene Leben. Seine Liebe gilt den fünfziger Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    1. Auflage
    240 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Illustrationen: Irina Anna Hutzler
    Print:
    ISBN 978-3-943018-06-6
    € 16,90 (D) / € 17,90 (A) / sFr 26,90
    E-Book (PDF):
    ISBN 978-3-943018-07-3

  • Berlin 2042

    Berlin 2042

    Berlin 2042

    Rüdiger Lehmann
    Berlin 2042

    Die deutsche Hauptstadt droht, in Regenfluten zu versinken.
    In diesem Katastrophenszenario gewährt Richard einer unbekannten Frau Unterschlupf in seiner Wohnung und verleugnet sie vor ihren Verfolgern, die einer mysteriösen Organisation anzugehören scheinen. Doch genauso unerwartet, wie die Frau aufgetaucht ist, verschwindet sie auch wieder. Als schließlich auch Richard von den Verfolgern der Frau bedroht wird, beginnt eine Odyssee durch das mehr und mehr im Hochwasser versinkende Berlin. Welches Geheimnis umgibt die Frau und wird Richard sie retten können?

    Print:   von 16,90  auf  7,90 €  
    E-Book: von 15,99 €  auf 6,99 €

     

    Leseprobe:

    Freitag, 15. August 2042

    Kurz nach neun war ich aufgestanden und hatte den Rest des Tages vertrödelt. Ein Blick nach draußen zeigte mir, dass noch immer das Sauwetter der letzten Tage herrschte. Eine kaum zu durchdringende Regenwand hing vor dem Fenster. Hin und wieder wurde sie durch das Aufzucken eines Blitzes zerrissen, dem ein dumpfes Gurgeln folgte – als ob selbst der Donner in den Wassermassen ersaufen würde.

    Der Bahnhof Friedrichstraße, der sich zweihundert Meter entfernt von meinem Haus am Schifferbauerdamm befand, war nur als schemenhafter Buckel zu sehen. Mit Mühe konnte ich das Band der kanalisierten Spree erkennen, die unten ihres Weges zog. Ihr Pegel stieg weiter und weiter. Aber das war nur zu erahnen.

    Jede Bewegung erinnerte mich daran, wie unangenehm mir das Hemd auf dem schwitzenden Körper klebte. In meiner Wohnung, die über keine Klimaanlage verfügte, herrschten  fünfunddreißig Grad! Laut Meteo war keine Änderung des Wettergeschehens zu erwarten.

    Meine beruflichen Aussichten waren nicht besser. Jahrelang hatte ich Programme für intelligente Teppiche entwickelt. Doch nach dem Farbenskandal vom vorangegangenen Jahr war meinem Auftraggeber die Kundschaft ferngeblieben. Wer kaufte schon Teppiche, die sich nicht reinigen ließen? Da konnten sie noch so intelligent sein! Mich als Freelancer hatte es natürlich als einen der Ersten erwischt. Am Donnerstag, mitten in der Programmierung einer offenen Do-While-Schleife, erhielt ich den Anruf. Mit sofortiger Wirkung, hieß es.

    Ich trat näher ans Fenster. Gerade als ich mich fragte, wann sich die Spree mit dem See, der sich auf der Straße gebildet hatte, vereinen würde, sah ich, wie eine von der Friedrichstraße kommende Person den Schiffbauerdamm entlang eilte. Sie blickte sich immer wieder um, als würde sie verfolgt. Und tatsächlich: Jetzt sah ich zwei weitere Gestalten aus dem Regen auftauchen.

    Die einzelne Person überquerte die Straße. Gleich darauf verschwand sie unter meinem Erker. Dem Laufstil nach zu urteilen, war es eine Frau.

    Ich wechselte zum jenseitigen Fenster des Erkers in der Absicht, die Jagd von hier aus weiter zu verfolgen.

    Ich wartete vergebens.

    Stattdessen hörte ich den Türgong, dann ein lautes Klopfen. Ich schaltete das Spionbild ein. Da stand die Frau, die ich beobachtet hatte. Wie war sie ins Haus gelangt?

    Einen Moment schwankte ich. Sollte ich ihr öffnen? Mir fielen die beiden Verfolger ein. Ja, ich wollte ihr helfen.

    Sie schlüpfte herein und blickte mich durch ihre nassen Haarsträhnen unverwandt an. Angst spiegelte sich in ihren Augen. Sekunden vergingen ohne ein Wort. Da drangen aus dem Treppenhaus Schritte an mein Ohr. Behutsam schloss ich die Tür. Die Frau legte den Finger auf die Lippen und zog mich am Arm ins Innere der Wohnung. Erneut ging der Türgong. Auf dem Monitor sah ich die Verfolger, zwei Männer in Overalls. Mit wilden Gesten beschwor mich die Frau, nicht zu reagieren. Doch ich hatte bereits die Mikrotaste gedrückt und fragte die beiden, was sie wünschten.

    „Haben Sie soeben eine Frau in Ihre Wohnung gelassen?“

    Ich überlegte: Sie mussten bereits im Haus gewesen sein, als ich die Frau hereingelassen hatte. Und mit Sicherheit gab es Wasserspuren, die zu meiner Wohnung führten.

    Meine Besucherin schüttelte beschwörend den Kopf.

    Entgegen aller Logik sagte ich: „Nein, ich habe keine Frau in meine Wohnung gelassen. Warum fragen Sie?“

    „Weil einiges darauf hindeutet.“ Der Sprecher richtete seinen Blick auf den Boden. Die Wasserspritzer hatten mich verraten.

    Warum ließ ich mich überhaupt auf eine Diskussion ein? Vertrauenserweckend sahen die beiden Gestalten nicht gerade aus. Der kleinere von ihnen hatte an der linken Schläfe eine Narbe, die von dem inzwischen nachgewachsenen Haar noch nicht wieder ganz verdeckt wurde. Ich zoomte näher heran und sah den typischen Abdruck neben dem Ohr: Der Mann hatte sich einen Kommunikationschip implantieren lassen. Das Ding kam bei Telefoniersüchtigen mehr und mehr in Mode. Die Narbe war das Bemerkenswerteste an dem sonst blassen Gesicht. Das seines Begleiters war dafür umso imposanter, fast furchteinflößend. Der schwarze Vollbart und die scharf geschnittene Hakennase ließen mich unwillkürlich an einen Piraten denken.

    „Darf ich fragen, wer Sie sind?“

    „Wir kommen im Auftrag der…“, begann der Chipmensch zu sprechen. Doch der Pirat, der bisher geschwiegen hatte, fiel ihm ins Wort. Waren sie sich nicht einig?„Wir vertreten die Interessen einer gemeinnützigen Vereinigung, die sich um Personen mit nicht normgerechtem Verhalten kümmert. Ihre Besucherin ist eine von ihnen.“

    Autorenvita

    Rüdiger Lehmann wurde 1956 in Bautzen/Sachsen geboren und kam 1978 zum Studium der Außenwirtschaft nach Berlin. Kurz vor dem Mauerfall 1989 siedelte er in die Bundesrepublik über. Seine Tätigkeit als EDV-Berater übte er in Frankfurt/M., London, Atlanta/Georgia, Nürnberg und Basel aus. 2004 kehrte er nach Berlin zurück. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit geht er der Beschäftigung als Komparse und Kleindarsteller für TV- und Kinoproduktionen nach.

    1. Auflage
    234 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Klebebindung
    Illustrationen: Kathi Andree
    Print:
    ISBN 978-3-943018-28-8
    € 7,90 (D) / € 17,90 (A) / sFr 30,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-43-1

     

  • Lilie der Finsternis

    Lilie der Finsternis

    Lilie der Finsternis

    Norman Dark
    Lilie der Finsternis

    Der Schriftsteller Miles Wellington zieht mit seiner Ehefrau Kate und seinen beiden Kindern in ein altes Cottage in der Grafschaft York, das er von seiner verstorbenen Tante geerbt hat. Die Erbschaft, die auf den ersten Blick ein Glücksfall zu sein scheint, stellt sich im Nachhinein als schwere Bürde heraus: In dem Haus geschehen mysteriöse Dinge, deren Ursachen weit in die Vergangenheit zurückreichen. Als dann auch noch ein Verbrechen geschieht, droht die junge Familie an den Ereignissen zu zerbrechen.

    Print:  12,90 € 
    E-Book: 9,99 € 

     

     

    Leseprobe

    Gemeinsam trugen sie den Vitrinenschrank an seinen neuen Platz und begutachteten das Ergebnis. Miles trat einige Schritte zurück, um einen besseren Eindruck zu gewinnen. Plötzlich fiel sein Blick auf die leere Wand, in der jetzt deutlich so etwas wie eine Tapetentür zu erkennen war, die bisher die Vitrine vollständig verborgen hatte. Neugierig ging Miles darauf zu und suchte vergeblich einen Riegel oder Knauf. Es gab keinen.
    „Eigenartig. Was nützt eine Tür, die hinter einem Schrank verborgen ist?“, überlegte er.
    „Dahinter befindet sich eine Putzkammer“, meinte Kate. „Aber ich glaube nicht, dass es dort auch einen Türausschnitt gibt.“
    „Das können wir leicht feststellen“, sagte Miles und lief auf den Flur. Im Nebenraum suchte er mit einer Taschenlampe die angrenzende Wand ab, konnte aber keinen noch so schmalen Spalt finden. Plötzlich ließ er den Lichtkegel an die Decke gleiten und stellte zu seiner Überraschung fest, dass diese im hinteren Teil des Raumes schräg war und rechts hinter einem Regal fast bis zum Fußboden ging.
    Zurück im Salon tastete Miles vorsichtig die Wand um den Türausschnitt herum ab und wurde dabei erwartungsvoll von Kate beobachtet. Plötzlich gab es ein Knirschen, und die Tür schob sich langsam in die rechte Wandhälfte hinein. Ein Schwall modriger Luft schlug Miles entgegen. Hinter dicken Spinnweben verborgen führte eine schmale Treppe nach oben. Kate zögerte, ob sie Miles folgen sollte, aber schließlich siegte ihre Neugier.
    Am Ende der Treppe befand sich eine dunkle Holztür, von der die Farbe abblätterte. Im unteren Drittel befand sich ein rostiger Riegel.
    „Eins ist sicher“, flüsterte Miles. „Wenn Tante Harriet von dieser Schatzkammer wusste, hat sie diese lange nicht benutzt. Bist du sicher, dass wir weitergehen wollen? Wer weiß, was dort für Ungeziefer auf uns lauert.“
    „Vielleicht sollten wir Rattengift und Insektenspray mitnehmen“, sagte Kate atemlos.
    „Ich fürchte, für die Art von Ungeheuern, die dort hausen, werden wir kein probates Mittel haben.“
    Als Miles den rostigen Riegel aufschob, versteckte sich Kate ängstlich hinter seinem Rücken. Weil sie sich an seinem Hemd festklammerte, zog er sie förmlich hinter sich her. Der Raum war nur diffus beleuchtet, weil das einzige Fenster weitgehend mit Brettern vernagelt war.
    „Siehst du, es war keine Spiegelung, die ich vor einigen Tagen vom Garten aus gesehen habe“, meinte Kate. Einen Moment lang kostete sie ihren Triumph aus, denn Miles hatte ihr nicht glauben wollen, dass eines der Dachbodenfenster vernagelt war. Außerdem hatte sie den Dachboden als etwas kürzer als die Etage darunter empfunden. Doch auch dieses Argument hatte Miles durch die Unmengen von herumstehendem Gerümpel entkräftet, denn vollgestellte Räume wirkten nun einmal kleiner.
    Die Kammer musste schon Jahrzehnte in Vergessenheit geraten sein, denn sie war in einem erbarmungswürdigen Zustand. An den Wänden lösten sich breite Partien von Tapete, und auf der Kommode lag eine zentimeterdicke Staubschicht. Die darauf abgestellten Gegenstände waren mit dicken Spinnweben umhüllt, so dass man nicht auf Anhieb erkennen konnte, worum es sich handelte.
    In einer dunklen Ecke stand ein graues Bettgestell, das einmal weiß gewesen sein musste. Sein Einlegeboden war mit aufgeschlitzten Matratzen bedeckt, die fleckig und unappetitlich wirkten.In Kate kroch das Grauen empor, als sie die Riemen an Kopf- und Fußende bemerkte. Auch die verstaubte weiße Bettpfanne unter dem Bett flößte ihr Abscheu ein. Sie schrie erschrocken auf, als Miles den Lichtkegel der Taschenlampe auf einen altertümlichen Rollstuhl richtete, der ebenfalls an den Armlehnen und am Trittbrett breite Lederriemen aufwies. Eine fleckige alte Wolldecke war achtlos auf den Stuhl geworfen worden und hatte dabei eine Form angenommen, die auf den ersten Blick wie eine etwas klein geratene Person aussah. Ein Kind?

    Autorenvita

    Norman Dark wurde als Kind einer Deutschen und eines Amerikaners in Berlin geboren. Nach der Scheidung der Eltern wuchs er bei seiner Mutter auf. In der Schule zeigte sich sein Talent zum Schreiben. Inspiration für seine kleinen Geschichten fand er u.a. in den Filmen  von Hollywoods Schwarzer Serie. Nach dem frühen Tod der Mutter begann seine Sinnsuche und das Interesse für fernöstliche Religionen. In seinen Romanen führt er seine Leserschaft an berühmte europäische und amerikanische Schauplätze. Dabei schreckt er auch vor Themen wie Seelenwanderung oder Spuk nicht zurück.

    1. Auflage
    188 Seiten
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Print:
    ISBN 978-3-943018-08-0
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 19,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-09-7

  • Such mich in Berlin

    Such mich in Belrin

    Such mich in Berlin

    Dietrich Novak
    Such mich in Berlin

    Marie und Vera, zwei Frauen aus Berlin, die sich schon seit Kindertagen kennen, verbindet etwas: Beide werden von Albträumen gequält und glauben, nicht zum ersten Mal in Berlin zu leben. Gemeinsam beschließen die beiden Freundinnen, intensive Nachforschungen zu betreiben.
    Vera glaubt, sich in einem alten Fotoalbum als „Helga“ wiederzuerkennen, die in den sechziger Jahren mit ihren Eltern in Ostberlin gelebt hat, und setzt alles daran, ihren damaligen Geliebten zurückzugewinnen. Und Marie ist sich sicher, in den fünfziger Jahren als „Cindy“, das Kind einer Deutschen und eines amerikanischen Soldaten, in Westberlin gelebt zu haben. Sie verliert sich in Rachefantasien gegenüber einer Frau, die sie als Schuldige an einer lange zurückliegenden Familientragödie ausmacht, und schreckt auch nicht davor zurück, ein Verbrechen zu begehen. Eine spannende Spurensuche mit viel Berliner Lokalkolorit und einer guten Prise Nostalgie.

    Print: 13,90 €  
    E-Book:  9,99 €   

    Rezension: lesen

    Leseprobe

    Ein einziges Mal war sie ihren Prinzipien untreu geworden und hatte dem Werben eines Verehrers nachgegeben. In jener Nacht des Jahres 1992 saßen wir in einer angesagten Diskothek auf einer Polsterbank, vor einem kleinen quadratischen Tisch mit halb gefüllten Gläsern. Vera trug ihr dunkles Haar mittlerweile lang und glatt im Stil einer Francoise Hardy, dem französischen Schallplattenstar der sechziger Jahre. Sie schaute den tanzenden jungen Leuten zu, die sich auf der Tanzfläche tummelten. Ihre Blicke waren suchend, beinahe etwas gehetzt. Bei einem langsamen, etwas leiseren Musikstück sprach ich sie an.
    „Willst du dich nicht auch mal auffordern lassen? Du kannst doch nicht immer nur alleine tanzen. Es sind ein paar ganz hübsche Typen hier.“
    „Nein, danke. Die sind mir alle viel zu grün“, sagte sie abweisend.
    „Und deine Kollegen in der Berufsschule oder in der BfA, da hast du doch die große Auswahl, bei so vielen Angestellten. Ist da keiner dabei, der dir gefällt?“
    „Nicht einer. Die Azubis sind die gleichen Jüngelchen wie hier, und die Mitarbeiter in der BfA sind überwiegend verheiratet, aber sie würden mir ohnehin nicht gefallen.“
    „Weil keiner wie Peter aussieht?“
    „Genau.“
    „Was war er eigentlich für ein Typ?“
    Plötzlich wurde Veras Blick starr. Sie war wie gebannt von einem jungen Mann mit markantem Gesicht und aschblonden, glatten Haaren. So hatte ich sie noch nie erlebt.
    „Guck mal unauffällig zur Bar rüber. Der mit den zurückgekämmten Haaren ist Peter wie aus dem Gesicht geschnitten“, flüsterte sie.
    „Hübscher Kerl, zwar nicht mein Typ, aber nicht schlecht. Aber dein Peter kann es wohl kaum sein. Wenn er überhaupt noch lebt, müsste er so um die Fünfzig sein.“
    „Ich weiß, dass er noch lebt, so wie du weißt, dass du Cindy warst“, sagte sie beschwörend.
    „Ja, aber der könnte allenfalls sein Sohn sein.“
    Vera reagierte ärgerlich. „Weiß ich ja, aber er sieht wirklich genauso aus wie Peter.“
    Dem Burschen war nicht entgangen, dass wir ihn gemustert und über ihn gesprochen hatten. Er kam direkt auf Vera zu und forderte sie zum Tanzen auf. Vera folgte ihm wie hypnotisiert. Ich schaute ihnen eine Weile beim Tanzen zu. Als ich plötzlich spürte, wie müde ich war, nahm ich einen Zettel aus meiner Tasche und schrieb: „Muss morgen früher in der Buchhandlung sein. Wir telefonieren. Viel Spaß. Cindy.“
    Nachdem ich den Zettel unter Veras Glas gelegt, ihr kurz zugewinkt, und sie genickt hatte, verließ ich die Diskothek. Ich sog dankbar die frische Luft ein und war froh, der hämmernden Musik entkommen zu sein.

    Julia machte ein pikiertes Gesicht. „Jetzt sag’ bloß noch du glaubst, ooch schon mal jelebt zu haben. Wat warste denn? Vielleicht die Tochter von een Pharao?“
    „Nein, sicher nicht. Aber mir kommt es vor, als sei ich schon mal von einem Hochhaus gefallen. Wenn du es genau wissen willst.“ Veras Ton war dabei ganz sachlich.
    „Det gloob’ ick nich’. Solche Angst, wie du vor det Dreimeterbrett im Schwimmbad hast“, ließ Julia nicht locker. „Warum biste überhaupt vom Schwimmunterricht freijestellt? Wahrscheinlich weil de Angst vor Wasser hast.“
    Ich zuckte fast unmerklich zusammen.
    „Jenau wie Marie“, plapperte Julia weiter. „Wisster, wat ick gloobe? Ihr habt nur einfach keene Lust. Tolle Masche, die ihr euch da ausjedacht habt.“
    Vera sah sie durchdringend an „Und weißt du, was ich glaube? Dass du eine selten dämliche Kuh bist.“
    Julia funkelte sie einen Moment böse an, sprang wortlos auf und ging zu einer in etwas Entfernung stehenden Mädchengruppe. Sie sprach hastig auf sie ein. Alle schauten zu uns herüber. Vera nahm kurzerhand ihren Apfelrest und warf ihn in ihre Richtung.
    „Stimmt das mit dem Hochhaus? Du hast mir noch nie davon erzählt“, fragte ich leise, damit es die anderen nicht hören konnten.
    „Das weiß niemand. Hätte ich nur meine Klappe gehalten. Aber es hat mich geärgert, dass sie über Martin hergezogen ist, diese Zicke. Ich mag ihn und seine Geschichten. Egal, ob sie wahr oder erfunden sind.“
    „Kannst du dich noch an mehr erinnern?“
    „Ja, ich liege mit Peter im Bett und bin restlos glücklich.“
    „Ist Peter dein Bruder?“
    „Nein, er ist mein Liebster“
    Mir blieb die Spucke weg. „Du hast einen Freund?“
    „Nein, nicht jetzt, früher, viel früher.“
    „Du meinst im Sandkasten?“
    „Quatsch. Ich sage doch viel früher. Wir waren beide erwachsen.“
    Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
    „Ich muss so Anfang Zwanzig gewesen sein. Und Peter war meine große Liebe. Aber er wollte mich verlassen.“
    „Warum? Hat er dich nicht geliebt?“
    „Doch, ich glaube schon. Aber ich wollte nicht mit ihm fortgehen. Ich hatte zuviel Angst.“
    „Hast du eine Ahnung,  in welcher Zeit das gewesen sein soll?“
    „Ich glaube in den Sechzigern. Ich sehe immer am Schrank ein Kleid hängen, wie es meine Oma auf alten Fotos getragen hat.“

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Schon bald schrieb er eigene Theaterstücke, die allesamt zur Aufführung kamen. Nebenher verfasste er Romane und Drehbücher, in denen er seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Schreiben. Er beschäftigt sich auch gerne mit der jüngsten Vergangenheit und hält mitunter einen nostalgischen Rückblick auch auf das eigene Leben. Seine Liebe gilt den fünfziger Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    1. Auflage
    192 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    WG Unterhaltung
    Illustrationen: Kathi Andree
    Print:
    ISBN 978-3-943018-34-9
    € 13,90 (D) / € 14,90 (A) / sFr 20,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-35-6

  • Im rauen Gegenwind

    Im rauen Gegenwind

    Im rauen Gegenwind

    Meike Janssen
    Im rauen Gegenwind
    Ein Ostfriesland-Roman

    Eigentlich ist Mareke nur für eine Familienfeier in ihre ostfriesische Heimat zurückgekehrt, die ihr längst fremd geworden ist. Die ehrgeizige, erfolgreiche Historikerin möchte ein paar Tage Urlaub machen, um über den Heiratsantrag ihres Freundes nachzudenken. Sie kann es jedoch nicht lassen und beschließt, ausgerechnet ihre frühere Schule in ein Projekt aufzunehmen, an dem sie gerade arbeitet. Ihre Erinnerungen an die schwierige Zeit, die sie dort verbracht hat, glaubt sie, von diesem Vorhaben trennen zu können.
    Durch die ständige Konfrontation mit Ostfriesland und seinen Besonderheiten gelangt sie jedoch schon bald an die Grenze ihres Ehrgeizes und setzt sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinander.

    Print: 12,90 €  
    E-Book: 9,99 € 

    Leseprobe

    Von Berlin wegzukommen, bedeutete auch, für ein paar Tage von Henry wegzukommen. Er hatte ihr vor kurzem während einer gemeinsamen Englandreise einen Heiratsantrag gemacht und sie damit völlig verstört. Sie brauchte etwas Abstand, um darüber nachzudenken. Sie liebte Henry über alles, aber an den Gedanken, dass er den Rest seines Lebens mit ihr verbringen wollte, hatte sie sich noch nicht gewöhnt. Den Antrag hatte sie zunächst verwirrt abgelehnt und sich Bedenkzeit ausgebeten. Henry hatte sie traurig, aber verständnisvoll wegfahren lassen. Mareke war ihm dankbar dafür und hoffte genau wie er, dass sie in den nächsten Tagen eine endgültige Antwort finden würde.
    Am nächsten Morgen dachte sie an ihren ersten Besuch beim Schloss und fragte sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, ausgerechnet hierher zu kommen. Warum nur war ihr nichts Besseres eingefallen als im Schatten ihrer alten Schule und anlässlich der Goldenen Hochzeit ihrer Eltern diese Frage aller Fragen beantworten zu wollen? Mareke schüttelte über sich selbst den Kopf, während sie beobachtete, welche Form das Wölkchen auf dem Tee heute annahm.
    Nach dem Frühstück fuhr sie mit einem Fahrrad ihrer Pensionswirtin die wenigen Kilometer bis an die Nordsee. Als sie angekommen war, ließ sie sich erschöpft in den Sand fallen. Hinter ihr mähten die Schafe pflichtbewusst den Deich. Der Strand war zum Glück leer, es wollte noch nicht einmal jemand die unsägliche Kurtaxe von ihr. Doch dies würde sich schnell ändern, wenn die Saison wieder anfing. Dann würde sie mit Papa wieder herkommen müssen, dachte sie, der kannte früher alle Tricks, um kostenlos an den Strand zu kommen.
    Langsam kam sie wieder zu Atem. Der Gegenwind hatte ihr zu schaffen gemacht.
    „Seltsam, nicht? Als du noch jeden Morgen um sieben mit dem Fahrrad zur Bushaltestelle fahren musstest, hat dir der Wind nicht so viel ausgemacht, oder?“, spottete etwas in ihr.
    Allerdings verdrängte sie lieber den Gedanken, dass ihre Kondition durch das Großstadtleben offenbar gelitten hatte, und blickte hinaus auf das Wattenmeer.
    Die Flut hatte wieder eingesetzt. Wie alt war dieses Meer schon? Was hatte es schon alles gesehen? Wie viele Schiffe waren untergegangen und Menschen ertrunken? Wie viele Menschen hatten früher im Dunkeln die Sandbänke mit der Küste verwechselt und waren jämmerlich ums Leben gekommen? Auch heute konnten es immer noch einige Leichtsinnige nicht lassen, auf eigene Faust im Wattenmeer herumzuwandern, und wurden böse überrascht, wenn das Wasser schneller wieder heranzog, als sie dachten. Wie viele Sturmfluten hatten das Land immer wieder verwüstet, bevor man mit dem Deichbau begann? Well neet will dieken, de mutt wieken. Da hatte es nichts gegeben. Es gab viele Geschichten von versunkenen Orten irgendwo zwischen der Küste und den Inseln. Wie viele Quadratmeter Land hatten die Menschen dem Meer seitdem wieder abgerungen? Und wann würde das Meer sich dieses Land zurückholen?
    Mareke beobachtete lange das heranziehende Wasser und mit jedem Wellenschlag wurde die Stimme in ihr lauter

    Autorenvita

    Meike Janssen, 1971 in Aurich geboren, wuchs als jüngstes von vier Geschwistern auf dem Land in Ostfriesland auf und entdeckte schon früh ihre Liebe zum Schreiben. Nach ihrer Schulzeit zog sie nach Berlin und studierte Betriebswirtschaft in Berlin und Cambridge. Die Besuche in ihrer norddeutschen Heimat nutzt sie gerne zum ausgiebigen Fahrradfahren. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. „Im Gegenwind“ ist ihr erster Roman.

    1. Auflage
    228 Seiten
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Print
    ISBN 978-3-943018-55-4
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-944266-03-9