• Autoren aufgepasst! – Ausschreibung des hnb-verlags

     

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    Der hnb-verlag möchte zukünftig sein Programm noch mehr auf aktuelle Trends und neue Genres ausrichten. Zu diesem Anlass startet er eine Ausschreibung, um Autoren die Möglichkeit einer Buchpublikation zu eröffnen. Die besten Manuskripte werden von einer Fachjury ausgewählt und mit einer Buchveröffentlichung belohnt.

     

     

    Ausschreibungsthemen 2015:

    1. Liebesgeschichten mit problematischem Hintergrund:

    Romantische Liebesgeschichten mit spannendem Konfliktpotential, z. B. Krankheit, Armut, Verbrechen, schicksalhafte Begegnungen, Betrug, Verrat, Neid usw.

    2Young Romantic Fantasy

    Spannende fantastische Liebesgeschichten für junge Erwachsene.

    3. Crime & Mystery

    Spannende, außergewöhnliche und mysteriöse Geschichten, die für Nervenkitzel sorgen.

    4. Erotische Liebesgeschichten

    Leidenschaftliche, romantische Liebesbeziehungen mit Pfiff. Lustvolle erotische Erlebnisse, über die man eigentlich nicht spricht.

    5.Thriller

    Packende, spannende und fesselnde Geschichten, die den Leser nicht mehr ruhen lassen.

    6. Fantasy-Abenteuer

    Magische, mystische und geheimnisvolle Geschichten aus fremden Welten.

    Wer diese Gelegenheit nutzen möchte, sendet sein unveröffentlichtes Manuskript zusammen mit einem Exposé,  einem kurzen Lebenslauf und einer Publikationsliste per Mail im Word- oder PDF-Format an folgende Adresse:

    info@hnb-verlag.de

    Einsendeschluss ist der 30.06.2015

    Teilnehmen dürfen Personen ab dem 18. Lebensjahr, ausgenommen sind Mitarbeiter und Angehörige des Verlags.

    „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ – unter diesem Motto erhalten alle frühzeitigen Einsendungen die Chance, schon im 2. Halbjahr 2015 in das Buchprogramm des hnb-verlags aufgenommen zu werden. Dies bedeutet eine Buchveröffentlichung noch in diesem Jahr.

    hnb-verlag 15.01.2015

     

  • Die Jagd nach dem magischen Lexikon

     

    Die Jaagd nach dem magischen Lexikon

    Die Jagd nach dem magischen Lexikon

    Sabine Kampermann
    Die Jagd nach dem magischen Lexikon
    In der Trollwelt herrschen chaotische Zustände, seit die Trolle verflucht wurden und nicht mehr lesen dürfen. Trollmädchen Sofia ist verzweifelt: Sie liebt Bücher, und für sie gibt es nichts Besseres als gute Geschichten. Um ihre geliebte Großmutter Piranhia von dem Fluch zu befreien, muss sie das magische Lexikon finden und dem jungen, einsamen Genie Albert, dem das Lexikon gehört, acht Wünsche erfüllen.
    Mithilfe der Wünsche lernt Albert den Wert von Freundschaften kennen und freundet sich ausgerechnet mit seinem Todfeind Sebastian an. Die unvorhersehbaren Nebenwirkungen der Wünsche bewirken allerdings, dass Alberts schwangere Mutter überstürzt ins Krankenhaus gebracht werden muss. Der letzte noch verbliebene Wunsch stellt Albert vor die Wahl: Mutter oder Kind? Findet Albert durch die Hilfe seiner neuen Freunde einen Ausweg? Eine märchenhafte Geschichte für junge Leser ab 8 Jahren.
    Print:  12,90 €
    E-Book: 7,99  €  

    Leseprobe

    Sofia blickte zuerst auf den Buchdeckel, danach auf den wachsenden Türspalt. Die Tür knarrte und wehrte sich, doch auf Dauer vergeblich. Der Spalt wuchs unaufhaltsam. Das Licht einiger Glühwürmchen fiel hindurch.

    Sofia sah etwas, vielmehr ein Wesen. Trollfell schimmerte grün durch den Spalt. Sie zitterte. Kein Troll durfte sie beim Lesen erwischen! Nur das nicht! Sie fasste sich an den Hals und massierte ihn. Das letzte Stück Papier rutschte ihre Speiseröhre hinunter. Sie japste nach Luft, schluckte zu viel und rülpste. Eine Klaue hielt sie sich vor das Maul und erstickte damit den Rülpslaut, mit der anderen rieb sie ihren Bauch. Ihr Blick ging zum Buch. Die Schatzinsel bannte sie, sie konnte sich kaum bewegen.
    Ganz langsam schaffte sie es, wenigstens ihre Beine auszustrecken. Noch ein paar Zentimeter weiter, dachte sie und drückte die Knie durch.
    In diesem Augenblick betrat eine anbetungswürdig warzige Gestalt ihr Versteck.
    »Umma«, hauchte Sofia. Sie bewunderte die pelzige alte Trollin mehr als jeden anderen Troll auf der Welt. Wie gerne schaute sie in Umma Piranhias Gesicht! Unzählige Warzen in den unterschiedlichsten Formen und Farbschattierungen schmückten es. Umma konnte mehr davon vorweisen als Ödnis und der Trollchef zusammen. Sofia zierten nur wenige, völlig farblose Warzen, leider. Diese verdienten den Namen Warze nicht einmal.
    Sie seufzte und starrte Umma weiterhin anerkennend an. Ein besonders prachtvolles blaues Warzenexemplar prangte mitten auf Piranhias breitem, knolligem Riechkolben. Ein Lauschlappen lugte aus dem dichten koboldblauen Haar hervor, welches durch den Staub in den Höhlen eher grau wirkte – nicht wegen ihres Alters, wie Piranhia stets betonte. Blau leuchtete nur ihr selbstgenähter Kittel, der ihr Fell vor Haarausfall und Verschmutzung schützte. Sofia konnte sich nicht sattsehen. Die haarigen Klauen schmückten lange, scharfe Krallen, und Ummas runde Augen leuchteten gelbgrün.
    Sofia betrachtete ihre eigenen Stummelkrällchen und seufzte noch einmal. Nie würde sie so eindrucksvoll aussehen wie Piranhia. Sie galt als die unscheinbarste Trollin der gesamten Trollheit. Ihren Oberkörper zierte kein Pelz – abgesehen vom Rücken, und den verdeckte ihr Hemd.
    Fast neidisch berührte sie Ummas glänzendes Fell, das selbstverständlich den ganzen Leib bedeckte, und stöhnte. Sofias runden, meerblauen Augen fehlte jegliche Trollhaftigkeit, zudem beschämten ein solch kleiner Riechkolben und mickrige, kaum abstehende Lauschlappen ansonsten keinen ihrer Artgenossen. Niemand schenkte ihr Beachtung. Sie glich einem Menschen. Das hatte ihre Mutter bereits bemerkt, als Sofia noch zu den Kleintrollen gehörte. Seitdem wünschte sie sich, wenigstens einmal in ihrem Leben einen Menschen zu sehen.
    »Ja, ich bin es, deine Umma. Dass du dich überhaupt noch an mich erinnerst! Wolltest du mich nicht besuchen, oder gilt das erst für nächstes Jahr?«
    »Ups!« Mehr brachte Sofia nicht heraus. Den Besuch hatte sie über der Schatzinsel völlig verschwitzt. Nie zuvor hatte sie Umma vergessen. Eher versäumte sie zu schlafen, zu essen oder den Gutenmorgenrülpser.

    Autorenvita

    Sabine Kampermann schreibt fantastische Kinderbücher, jedoch nicht ausschließlich. So wurde sie unter anderem für den Agatha-Christie-Preis sowie für mehrere Kurzgeschichtenpreise nominiert. In ihren Geschichten erweckt sie nicht nur Trolle zum Leben, sondern auch Wollmäuse, sprechende Türen, festgerostete Erdachsen und Drachenvegetarier mit Haifischgebiss.
    „Die Jagd nach dem Magischen Lexikon“ wurde vom Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg mit einem Arbeitsstipendium ausgezeichnet.

    1. Auflage
    190 Seiten
    Farbillustrationen
    Softcover, Klebebindung
    Illustrationen: Jan Hillen
    Print:
    ISBN 978-3-944266-11-4
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-944266-12-1

     

  • Blümchen, Streifen und Rollmops

    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Dietrich Novak
    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Berlin-Charlottenburg, Kaiserdamm: ein 100 Jahre altes, typisches Berliner Mietshaus, stellvertretend für so viele andere. Seine fiktive Geschichte erzählt in humorvoller und warmherziger Weise von den kleinen und großen Sorgen seiner Bewohner und ruft Erinnerungen wach an Kaisers Zeiten, die Goldenen Zwanziger, das Hitler-Berlin, die Zeit der Berliner Mauer, die Wiedervereinigung bis hin zur Jahrtausendwende.

    Print:  16,90 €
    E-Book:  11,99 €

     
    Unterhaltsam, aber auch nachdenklich schildert die Geschichte nicht nur die persönlichen Schicksale der Menschen, die in diesem Haus leben, sondern wirft auch einen Blick auf die politischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit, die Modeerscheinungen, die Musikstile und vieles andere mehr.
    Dabei kommen natürlich auch die berühmte „Berliner Schnauze“ und der typische Berliner Humor nicht zu kurz.

    Leseprobe

    Friederike und Otto Wiltkowsky saßen im Berliner Zimmer, das ihnen als Wohnzimmer diente. Der Hausherr döste auf dem Diwan vor sich hin, und seine Gattin lauschte der Musik, die von der Schelllackplatte kam, die sich auf dem Teller des sechseckigen Grammophons mit goldenem Blechtrichter drehte.
    „Mensch, Riekchen, der olle Caruso schreit ja wieder, als ob ihm wat weh tut.“
    „Ich habe schon die leisen Nadeln genommen“, sagte Friederike indigniert.
    „Hilft nur nischt. Bei seinem „O sole mio“ fällt mir ein, dass meine Stiebel mal wieder neue Sohlen brauchen. Na, wenigstens haste nich’ den Riegelotto jenommen.“
    „Wenn ich Rigoletto hören will, gehe ich in die Oper.“
    „So? Na denn weeß ick nich’, warum de die Platte jekooft hast.“
    „Damit man hinterher noch einmal die Arien hören kann, wenn man noch in Stimmung ist, du Ignorant.“
    „Dit is’ aber nich’ nett, wenn de mir so bezeichnest. Ick hab nur nich’ so viel Kulturverstand wie du.“
    „Ja, das weiß ich ja“, antwortete Friederike etwas genervt, weil sie es leid war, diese Art von Diskussionen zu führen. „Im Moment interessiert mich ganz etwas anderes. Wir müssen uns entscheiden, ob wir dem Paulicke die Wohnung im Seitenflügel geben.“
    „Warum nich’? Jetzt, wo er det Aufgebot bestellt hat. So oft, wie der hier im Haus zu tun hat, kann er ooch gleich hier wohnen, da hat er’s nich’ weit. Kann sozusagen in Latschen Malern jeh’n.“
    „Ich weiß, ich finde ihn ja auch nicht unsympathisch, aber schließlich…Was ist, wenn er arbeitslos wird? Die kleine Schuster wird die große Wohnung von ihrem Lohn nicht bezahlen können. Es hätte doch wirklich gereicht, wenn er bei ihr eingezogen wäre.“
    „Und wenn sich wat Kleenet ankündigt? Soll’n se denn zu dritt in det eene Zimmer wohnen?“
    „Warum nicht? Gegen Berthas und Augustes Kammer ist das geradezu ein Palast. Außerdem sollte das Personal, und dazu zähle ich auch die Handwerker, mehr unter sich bleiben. Als nächstes kommt noch Auguste mit einem Bräutigam an und will im Hinterhaus wohnen. Nein, irgendwie gefällt mir das nicht.“
    „Ach Riekchen, nu’ sei doch nich’ so. Warum soll’n die Arbeiter immer nur in ihre armen Bezirke wohnen? Charlottenburg is’ doch ooch nischt so Besonderet, wenn ick an Zehlendorf oder Wilmersdorf denke.“
    „Und warum haben wir dann hier gebaut und nicht im Grunewald oder am Wannsee?“
    „Weil det Bauland hier billiger war. Noch besser wären wir wech gekommen, als et noch `nen Sandweg und keen Kaiserdamm jejeben hat. Aber da hatte ick ja die Knete noch nich’. Außerdem hätt`ste im Jrunewald oder am Wannsee nich’ det Vergnügen jehabt, zu erleben, wie der Kaiser quasi unter unserem Haus U-Bahn fährt.“
    Am 16. März 1908 befuhr nämlich Kaiser Wilhelm II. erstmals diese Linie. Offiziell wurde die Strecke am 29. März eingeweiht. Die zwei vorhandenen Linien fuhren aber nicht weiter bis zum Reichskanzlerplatz, vielmehr wurde eine dritte Linie eröffnet, die nur zwischen Bismarckstraße und Reichskanzlerplatz verkehrte.
    „Wenn du mich nur aufziehen kannst“, sagte Friederike sichtlich verstimmt. „Also gut, wenn du meinst, geben wir unsere Zustimmung zum Mietvertrag, aber mach’ mir hinterher keine Vorwürfe. Ich habe dich gewarnt.“
    „Wat soll schon passieren? Wenn det Jeld knapp wird bei Paulickes, könn` se immer noch inne Einzimmerwohnung zurückziehen. Wenn bei uns nischt frei is’, denn eben in `nem anderen Haus.“
    „Das sagst ausgerechnet du als Geschäftsmann. Damit wären sie als Mieter für uns verloren.“
    „Ick denke, du legst ohnehin keenen jesteigerten Wert uff Domestiken.“
    „Deshalb muss ich sie ja nicht in ihr Unglück rennen lassen.“
    „Nee, det schaffen se schon janz alleene.“

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Schon bald schrieb er eigene Theaterstücke, die allesamt zur Aufführung kamen. Nebenher verfasste er Romane und Drehbücher, in denen er seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Schreiben. Er beschäftigt sich auch gerne mit der jüngsten Vergangenheit und hält mitunter einen nostalgischen Rückblick auch auf das eigene Leben. Seine Liebe gilt den fünfziger Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    1. Auflage
    240 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Illustrationen: Irina Anna Hutzler
    Print:
    ISBN 978-3-943018-06-6
    € 16,90 (D) / € 17,90 (A) / sFr 26,90
    E-Book (PDF):
    ISBN 978-3-943018-07-3

  • Such mich in Berlin

    Such mich in Belrin

    Such mich in Berlin

    Dietrich Novak
    Such mich in Berlin

    Marie und Vera, zwei Frauen aus Berlin, die sich schon seit Kindertagen kennen, verbindet etwas: Beide werden von Albträumen gequält und glauben, nicht zum ersten Mal in Berlin zu leben. Gemeinsam beschließen die beiden Freundinnen, intensive Nachforschungen zu betreiben.
    Vera glaubt, sich in einem alten Fotoalbum als „Helga“ wiederzuerkennen, die in den sechziger Jahren mit ihren Eltern in Ostberlin gelebt hat, und setzt alles daran, ihren damaligen Geliebten zurückzugewinnen. Und Marie ist sich sicher, in den fünfziger Jahren als „Cindy“, das Kind einer Deutschen und eines amerikanischen Soldaten, in Westberlin gelebt zu haben. Sie verliert sich in Rachefantasien gegenüber einer Frau, die sie als Schuldige an einer lange zurückliegenden Familientragödie ausmacht, und schreckt auch nicht davor zurück, ein Verbrechen zu begehen. Eine spannende Spurensuche mit viel Berliner Lokalkolorit und einer guten Prise Nostalgie.

    Print: 13,90 €  
    E-Book:  9,99 €   

    Rezension: lesen

    Leseprobe

    Ein einziges Mal war sie ihren Prinzipien untreu geworden und hatte dem Werben eines Verehrers nachgegeben. In jener Nacht des Jahres 1992 saßen wir in einer angesagten Diskothek auf einer Polsterbank, vor einem kleinen quadratischen Tisch mit halb gefüllten Gläsern. Vera trug ihr dunkles Haar mittlerweile lang und glatt im Stil einer Francoise Hardy, dem französischen Schallplattenstar der sechziger Jahre. Sie schaute den tanzenden jungen Leuten zu, die sich auf der Tanzfläche tummelten. Ihre Blicke waren suchend, beinahe etwas gehetzt. Bei einem langsamen, etwas leiseren Musikstück sprach ich sie an.
    „Willst du dich nicht auch mal auffordern lassen? Du kannst doch nicht immer nur alleine tanzen. Es sind ein paar ganz hübsche Typen hier.“
    „Nein, danke. Die sind mir alle viel zu grün“, sagte sie abweisend.
    „Und deine Kollegen in der Berufsschule oder in der BfA, da hast du doch die große Auswahl, bei so vielen Angestellten. Ist da keiner dabei, der dir gefällt?“
    „Nicht einer. Die Azubis sind die gleichen Jüngelchen wie hier, und die Mitarbeiter in der BfA sind überwiegend verheiratet, aber sie würden mir ohnehin nicht gefallen.“
    „Weil keiner wie Peter aussieht?“
    „Genau.“
    „Was war er eigentlich für ein Typ?“
    Plötzlich wurde Veras Blick starr. Sie war wie gebannt von einem jungen Mann mit markantem Gesicht und aschblonden, glatten Haaren. So hatte ich sie noch nie erlebt.
    „Guck mal unauffällig zur Bar rüber. Der mit den zurückgekämmten Haaren ist Peter wie aus dem Gesicht geschnitten“, flüsterte sie.
    „Hübscher Kerl, zwar nicht mein Typ, aber nicht schlecht. Aber dein Peter kann es wohl kaum sein. Wenn er überhaupt noch lebt, müsste er so um die Fünfzig sein.“
    „Ich weiß, dass er noch lebt, so wie du weißt, dass du Cindy warst“, sagte sie beschwörend.
    „Ja, aber der könnte allenfalls sein Sohn sein.“
    Vera reagierte ärgerlich. „Weiß ich ja, aber er sieht wirklich genauso aus wie Peter.“
    Dem Burschen war nicht entgangen, dass wir ihn gemustert und über ihn gesprochen hatten. Er kam direkt auf Vera zu und forderte sie zum Tanzen auf. Vera folgte ihm wie hypnotisiert. Ich schaute ihnen eine Weile beim Tanzen zu. Als ich plötzlich spürte, wie müde ich war, nahm ich einen Zettel aus meiner Tasche und schrieb: „Muss morgen früher in der Buchhandlung sein. Wir telefonieren. Viel Spaß. Cindy.“
    Nachdem ich den Zettel unter Veras Glas gelegt, ihr kurz zugewinkt, und sie genickt hatte, verließ ich die Diskothek. Ich sog dankbar die frische Luft ein und war froh, der hämmernden Musik entkommen zu sein.

    Julia machte ein pikiertes Gesicht. „Jetzt sag’ bloß noch du glaubst, ooch schon mal jelebt zu haben. Wat warste denn? Vielleicht die Tochter von een Pharao?“
    „Nein, sicher nicht. Aber mir kommt es vor, als sei ich schon mal von einem Hochhaus gefallen. Wenn du es genau wissen willst.“ Veras Ton war dabei ganz sachlich.
    „Det gloob’ ick nich’. Solche Angst, wie du vor det Dreimeterbrett im Schwimmbad hast“, ließ Julia nicht locker. „Warum biste überhaupt vom Schwimmunterricht freijestellt? Wahrscheinlich weil de Angst vor Wasser hast.“
    Ich zuckte fast unmerklich zusammen.
    „Jenau wie Marie“, plapperte Julia weiter. „Wisster, wat ick gloobe? Ihr habt nur einfach keene Lust. Tolle Masche, die ihr euch da ausjedacht habt.“
    Vera sah sie durchdringend an „Und weißt du, was ich glaube? Dass du eine selten dämliche Kuh bist.“
    Julia funkelte sie einen Moment böse an, sprang wortlos auf und ging zu einer in etwas Entfernung stehenden Mädchengruppe. Sie sprach hastig auf sie ein. Alle schauten zu uns herüber. Vera nahm kurzerhand ihren Apfelrest und warf ihn in ihre Richtung.
    „Stimmt das mit dem Hochhaus? Du hast mir noch nie davon erzählt“, fragte ich leise, damit es die anderen nicht hören konnten.
    „Das weiß niemand. Hätte ich nur meine Klappe gehalten. Aber es hat mich geärgert, dass sie über Martin hergezogen ist, diese Zicke. Ich mag ihn und seine Geschichten. Egal, ob sie wahr oder erfunden sind.“
    „Kannst du dich noch an mehr erinnern?“
    „Ja, ich liege mit Peter im Bett und bin restlos glücklich.“
    „Ist Peter dein Bruder?“
    „Nein, er ist mein Liebster“
    Mir blieb die Spucke weg. „Du hast einen Freund?“
    „Nein, nicht jetzt, früher, viel früher.“
    „Du meinst im Sandkasten?“
    „Quatsch. Ich sage doch viel früher. Wir waren beide erwachsen.“
    Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
    „Ich muss so Anfang Zwanzig gewesen sein. Und Peter war meine große Liebe. Aber er wollte mich verlassen.“
    „Warum? Hat er dich nicht geliebt?“
    „Doch, ich glaube schon. Aber ich wollte nicht mit ihm fortgehen. Ich hatte zuviel Angst.“
    „Hast du eine Ahnung,  in welcher Zeit das gewesen sein soll?“
    „Ich glaube in den Sechzigern. Ich sehe immer am Schrank ein Kleid hängen, wie es meine Oma auf alten Fotos getragen hat.“

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Schon bald schrieb er eigene Theaterstücke, die allesamt zur Aufführung kamen. Nebenher verfasste er Romane und Drehbücher, in denen er seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Schreiben. Er beschäftigt sich auch gerne mit der jüngsten Vergangenheit und hält mitunter einen nostalgischen Rückblick auch auf das eigene Leben. Seine Liebe gilt den fünfziger Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    1. Auflage
    192 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    WG Unterhaltung
    Illustrationen: Kathi Andree
    Print:
    ISBN 978-3-943018-34-9
    € 13,90 (D) / € 14,90 (A) / sFr 20,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-35-6