• Lui – gemeinsam gegen die Ratten

    Cover Lui vorne - kleinFunda Agirbas
    Lui – gemeinsam gegen die Ratten

    In Berlin sind die Ratten dabei, die Herrschaft zu übernehmen – nicht die Diebe und Trickbetrüger, wie sie in Friedrichshain unterwegs sind, sondern die Mafia aus Kreuzberg, deren Anführer Odium in seiner Selbstherrlichkeit und Machtgier keine Grenzen der Brutalität kennt.
    Um sich zu wehren, haben die anderen Tiere die ARM, die Anti-Ratten-Mafia, gegründet. Ihre Anführerin ist die wunderschöne Katze Safiye, die es vermag, den Kampf mit Klugheit und Geschick zu führen und dabei ihren Grundwerten von Freiheit und Gleichheit treu zu bleiben. Als sie sich ausgerechnet in Lui, den einzelgängerischen Fuchs aus dem Treptower Park, verliebt, werden die anderen Tiere misstrauisch. Die Lage spitzt sich zu, als Safiye entführt wird …
    Zwischen Müllcontainern in den Hinterhöfen und geheimen Orten auf den Friedhöfen, zwischen Dönerresten auf dem Mehringdamm, den Düften aus einem indischen Restaurant beim Südstern und dem Morgengrauen über dem Engelbecken entfaltet sich eine packende Handlung mit starken Charakteren für Jugendliche ab 12 Jahren.

    Print: 14,90 €
    E-Book: 9,99 €

    Leseprobe:
    „Dürfen wir den Herrn einen Moment stören? Denn der Herr frisst sich durch unsere Vorratskammer!“
    „Und wir haben ihn nicht eingeladen, oder?“, ergänzte eine zweite, etwas tiefere Stimme. „Wir haben ihm nicht angeboten, sich aus unserem Topf zu bedienen.“
    Beide krächzten ein widerliches Lachen. Lui machte mit einem gekonnten Sprung eine scharfe Drehung und stand nun als eindrucksvolle Erscheinung vor den beiden Ratten. Einen kurzen Moment schoss ihm durch den Kopf, dass die zwei für ihre Gattung verflucht groß und schwer waren. Zumindest hatte er das Gefühl, dass die Ratten in Kreuzberg langsam, aber sicher zu Riesen-Nagetieren mutierten. Er sah sie mit sicherem Blick an. Die zwei waren ebenfalls sichtlich beeindruckt von Luis Größe, denn auch er war für seine Art sehr ansehnlich gewachsen.
    Lange hielt dieser Zustand aber nicht an. Ihre Dreistigkeit überwog prompt. Die Größere der beiden schritt langsam auf Lui zu. Ihre ohnehin schon winzigen Augen verzogen sich zu schmalen Schlitzen, als sie zischte: „Das ist unsere Futterstelle. Das war sie schon immer, Fuchs.“ Die zweite Ratte zog nach.
    Lui verunsicherte die Arroganz der beiden, denn auch wenn sie zu zweit waren und für ihre Art recht groß, hätten sie im Falle eines Kampfes keine Chance gegen ihn. Er lächelte überlegen. „Ach, so ist das“, entgegnete er herausfordernd.
    „Ja, das meinen wir“, konterte die Große.
    Wieder kamen die beiden näher, und nun fletschte Lui die Zähne. Die Ratten blieben daraufhin zwar stehen, doch ihre Angriffslust lag eindeutig noch zwischen ihnen.
    „Wir sagen es dir nicht ein zweites Mal. Das ist unsere Futterstelle!“, warnte die Kleinere.
    „Ach, und was genau habt ihr zwei Mäuschen vor, um mich aufzuhalten?“ Lui entspannte seine Haltung, um seine absolute Überlegenheit zu demonstrieren, während den Ratten der Zorn ins Gesicht geschrieben stand.
    Als plötzlich die Neonröhre mahnend aufzischte und für einige Sekunden erlosch, konnte Lui das schnelle Trippeln der Rattenfüße vernehmen. Sofort nahm er seine Kampfstellung ein. Sein Gebiss blitzte drohend auf, und mit angelegten Ohren und angespanntem Körper war er bereit, sie anzufallen.
    Die Beleuchtung setzte mit einem Dauerflimmern wieder ein. Lui versuchte eiligst, seine Augen an das Flackern anzupassen, doch es fiel ihm schwer. Einzelne Bilder wirkten in Sekundenschnelle auf seine Wahrnehmung ein, bis ihm schmerzlich bewusst wurde, dass der ganze Hof von kolossalen Ratten übersät war – eine größer als die andere. Sie hatten ihre Aufmerksamkeit uneingeschränkt auf ihn gerichtet. Ihre Pfoten bohrten sich in den Asphalt, die Leiber bogen sich in eine bedrohliche Sprungposition, und ihre Nagezähne leuchteten ihm gefährlich entgegen. Jeden Moment würden sie angreifen. Ihm blieb keine andere Wahl, als so schnell wie möglich zu verschwinden.
    Lui erfasste den Raum. Er war eingekesselt, und die Hintertür des Gebäudes war von einem der Müllcontainer versperrt. Jetzt musste er schnell handeln, das Herz schlug ihm heftig gegen die Brust, und sein scharfer Verstand arbeitete auf Hochtouren. Ein paar Ratten waren für ihn kein Thema. Gerade fixierten ihn aber mindestens fünfzig ihrer Art. Plötzlich entdeckte er ein offenes Fenster. Mit einem gekonnten Satz schwang er sich auf den Container und sprang direkt durch die Öffnung ins Innere des Hauses.

    Autorenvita

    Funda Agirbas, 1976 in Mannheim geboren, arbeitet und lebt seit acht Jahren mit ihrer Familie in Berlin. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre zog es sie in die Hauptstadt, wo sie eines Abends bei einem Spaziergang einem Fuchs begegnete und sich entschloss, über das Leben der Tiere in Berlin zu erzählen.

    1. Auflage
    ca. 240 Seiten
    Softcover, Klebebindung
    WG Kinder und Jugend
    Print:
    ISBN 978-3-943018-85-1
    € 14,90 (D) / € 15,90 (A) / sFr 22,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-86-8

     

  • Im Nebel des Falken

    Cover Im Nebel des Falken vorne - kleinDaniel Rekowski
    Im Nebel des Falken 

    Emma, eine junge Assistenzärztin an der Berliner Charité, erhält von ihrem Vorgesetzten den Patienten David zugewiesen, der vor fünfzehn Tagen auf unerklärbare Weise ins Koma gefallen ist. Auch seine Genesung scheint alles andere als gewöhnlich zu verlaufen.
    Emma fühlt eine innere Verbindung zu David und will ihm um jeden Preis helfen. Doch wie hoch ist dieser Preis? Emma stellt ihre Berufung als Ärztin in Frage und begibt sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Was sind wir? Sterben wir einfach, oder bleibt irgendetwas von uns auf dieser Erde zurück? Gibt es Verbindungen in andere Zeitepochen? Emma zweifelt an ihrem gesamten Weltbild und setzt für die Antworten auf ihre Fragen vieles aufs Spiel.
    Währenddessen erlebt David eine unglaubliche Reise in eine vergangene Zeit …
    Eine spannende und zugleich nachdenkliche Geschichte über das Leben nach dem Leben, die den Leser auch in die Welt von König Heinrich I. von Sachsen im 10. Jahrhundert n.Chr. entführt.
    Print: 12,90€ 
    E-Book: 7,99€ 

    Leseprobe:
    Plötzlich schießen Dr. Miller und Anika am Ende des Flurs um die Ecke und hetzen an Emma vorbei. Sie traut sich nicht, die beiden anzusprechen, sondern schließt sich ihnen an. Mit jedem Meter wird ihr klarer, was das Ziel der Hektik ist: Zimmer 4.
    Nun wird auch Emma schneller. Ohne wichtigen Grund würde Anika niemals Dr. Miller auf eine solche Weise durch das Haus jagen. Mit Bangen legt Emma die letzten Meter zurück und bleibt in der Tür des Krankenzimmers stehen. Dr. Miller und Anika sind bereits am Krankenbett angekommen, wo Dr. Miller die Vitalfunktionen des Patienten prüft. Auf den ersten Blick kann Emma nichts Ungewöhnliches erkennen. Dr. Miller sieht Emma im Augenwinkel und winkt sie ohne Worte zu sich heran. Sie tritt nach vorne und schaut in Davids Gesicht. Da sind sie wieder, die tiefen Furchen in der Wange und das gebräunte, vertrauensvolle Gesicht. Immer noch nichts Auffälliges. Doch, jetzt sieht sie es. Eine Bewegung der Augen hinter den geschlossenen Lidern. Ein Zucken. Und noch eines. Die Instrumente geben jedoch nichts Außergewöhnliches preis. Sie piepen wie immer, schnaufen wie immer, und das leise Tropfen der Flüssigkeiten klänge auch wie immer, würden die Geräusche, die Dr. Miller verursacht, nicht alles übertönen.
    „Vitalfunktionen normal. Seltsam.“ Mehr gibt Dr. Miller nicht von sich, bevor er ein zweites Mal mit seinem Check beginnt. Auch er überprüft die Aufzeichnungsgeräte und kann keine Auffälligkeit feststellen.
    Jetzt erst dreht er sich zu Emma und Anika um. „Ich weiß nicht, was hier genau los ist, aber wir beobachten das weiter. Erst mal nichts Ungewöhnliches.“
    Emma kennt diesen letzten Satz zur Genüge: erst mal nichts Ungewöhnliches. Wie sie diesen Satz bei Dr. Miller hasst. Erst mal nichts Ungewöhnliches. Und dann auch noch mit diesem englischen Akzent, der ohnehin schon etwas hochnäsig klingt. Diesen Satz, das weiß Emma mittlerweile, verwendet Dr. Miller sehr gerne bei Auffälligkeiten, die auch er mit den Erfahrungen aus seiner ach so langen Karriere nicht erklären kann. Und solange Auffälligkeiten nicht gesundheitsgefährdend sind, hinterfragt er sie nicht weiter und geht seiner täglichen Arbeit nach. Noch nicht einmal später, wenn er zur Ruhe gekommen ist, beschäftigt er sich damit. Dinge, die nicht zu erklären sind, braucht man auch nicht zu erklären. Sie kommen und gehen wieder – das ist seine Welt.
    Emma schaut Dr. Miller hinterher, der mittlerweile weitere Aufgaben an Anika delegiert und sich dabei wieder aus Zimmer 4 entfernt. Anika blickt sich noch einmal zu Emma um, muss aber Dr. Miller, der ständig weiterredet, hinaus auf den Gang folgen. Bald dringen die belehrende Stimme ihres Mentors und Anikas kurze Antworten nur noch von Weitem an Emmas Ohr. Sie starrt in das Gesicht ihres Patienten und fixiert seine geschlossenen Augen.
    Plötzlich hört sie Schritte. Anika ist zurückgekommen, legt die Hand auf Emmas Schulter und folgt ihrem Blick zu Davids Augen.
    Emma spürt den fragenden Ausdruck in Anikas Gesicht und flüstert: „Ich weiß es nicht. Ich verstehe das auch nicht. Wie soll das gehen?“
    Anika klopft Emma mit der Hand auf die Schulter. Sie kennt Emma und hat sie nur ganz selten so unsicher erlebt.
    Emma mustert wieder die Geräte. Keine Auffälligkeiten.
    „Das dürfte eigentlich so nicht sein“, antwortet Anika. „Wer weiß, was der gerade durchmacht.“ Dann klopft sie Emma ein weiteres Mal auf die Schulter und lässt sie allein im Raum zurück.
    Emma wendet sich wieder David zu – und noch einmal: ein Zucken hinter den geschlossenen Lidern, aber keine Veränderung an den Geräten. Diese bestätigen immer noch einen stabilen, im Koma liegenden Patienten. Emma erinnert sich an Anikas letzten Satz: Wer weiß, was der gerade durchmacht. Dieser einfach nur so daher gesagte Satz beinhaltet wahrscheinlich viel mehr an Wahrheit, als diejenige, aus deren Mund er stammt, jemals wissen wird.

    Autorenvita

    Daniel Rekowski, Jahrgang 1972, spezialisierte sich nach seiner klassischen Berufslaufbahn als Bankkaufmann und Betriebswirt im Bereich des Persönlichkeitstrainings. In mehreren Stationen als Führungskraft unterschiedlicher Unternehmen erkannte er die Wichtigkeit der Etablierung emotionaler Kompetenz im Gesundheitswesen. Sein Interesse an frühmittelalterlicher Geschichte führte ihn zu mittlerweile verloren gegangenen Werten der Menschlichkeit und emotionaler Achtsamkeit. Die Frage nach dem Wert unseres Geistes und was von ihm übrig bleibt, ist ihm ein großes Anliegen.

    1. Auflage
    ca. 190 Seiten
    Softcover, Klebebindung
    Print:
    ISBN 978-3-943018-77-6
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-78-3

  • Een Schnäpperkin löst de Zunge

    Een Schnäpperkin löst de Zunge

    Een Schnäpperkin löst de Zunge

    Dietrich Novak
    Een Schnäpperkin löst de Zunge
    Vergnügliches vom Stammtisch rund um die Berliner Redensarten und Sprüche Ortsteil Wedding

    In einer typischen Alt-Berliner Kneipe treffen sich jeden Mittwoch vier Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Hotte ist Witwer, Jünne geschieden, Helmut verheiratet und der ewige Junggeselle Manne lässt es sich im Hotel Mama gut gehen. Was sie verbindet, ist die Liebe zu ihrer Geburtsstadt Berlin und besonders zum Stadtteil Wedding, in dem sie aufgewachsen sind und wo sie alle noch wohnen.
    Begeben Sie sich auf eine vergnügliche Zeitreise und lassen Sie sich vom Berliner Humor gefangen nehmen, der durchaus wehmütige Untertöne haben kann, aber immer frech, bisweilen sogar etwas respektlos, aber nie wirklich böse gemeint ist. Genießen Sie informative Unterhaltung rund um den Berliner Dialekt und dessen Ursprünge zum Kennenlernen, Schmunzeln und Erinnern.
    Print: 12,90 €  
    E-Book:  9,99 €   

     

    Leseprobe
    „Mensch, Hotte, wir dachten schon, du kommst nich’“, klang es vielstimmig an diesem Mittwoch.
    „Tut ma leid, ick bin vor de Glotze einjenickt und hab’ vapennt.“
    „Na, nu’ biste ja da“, sagte Helmut. „Willste ooch’n Bräßering?“
    „Wat will ick?“
    „Na, `nen Bräßering, Brathering uff Englisch.“
    „Sach ma’, du willst wohl’n ollen Mann vaäppel’n? Seit wann quatschst du denn perfekt auswärts? Und du willst ma doch nich’  weismachen, dat wa hier welche kriejen?“
    „Wenn icks dir sage. Als ick letzet Mal `ne Stange Wasser in de Ecke jestellt habe, bin ick bei Erna an de Küche vorbeijekommen. Und die hat mir erzählt, dass se am Wochenende Heringe brät. Erna, haste Bratheringe oder nich’?“
    „Klah, wie ville Kilo willsten?“, rief Erna von der Theke aus herüber. „Wart ma’, ick komme.“
    „Mensch, Erna, ick bin ja hin und wech“, sagte Hotte wenig später zu der dicken Wirtin. „Haste da wirklich die Arbeet jemacht oder nur’n paar Büchsen uffjemacht?“
    „Von wejen, selbst jebraten und einjelecht. Inzwischen sind se schön durchjezogen. Ihr könnt’ ooch frische Bratkartoffeln dazu ha’m. Nur müssta euch in den Nichtraucharaum bemüh’n. Nich’ dasser ma de Teller mitsamt de Jrät’n untern Tisch schmeißt, wenn eener nach Ordnungsamt riecht.“
    „Is jebongt, Erna“, sagte Hotte. „Für mir mit Bratkartoffeln und schön ville Bollen.“
    „Ja, für mir ooch“, fügte Jünne hinzu.
    „Ick nehme se nur mit Brot, und mit wenich Zwiebeln“, meldete sich nun Helmut.
    „Du hast wohl Angst, dass de von deine Karin ausquartiert wirst, wejen Platzkonzert und so?“, meinte Hotte.
    „Das hast du ja nicht nötich. Du weeßt ja, wo deine Holde liegt, nämlich uff’m Friedhof. Und damit jeht’s dir besser als so manch eenem.“
    „Stimmt, aber ick wär trotzdem froh, wenn ick se noch hätte. Und du, Manne? Leistest de uns nur Jesellschaft? Denn wahrscheinlich macht da Muttern selbst welche.“
    „Nein, leider nicht. Sie meint, danach stinkt die Wohnung noch tagelang. Und außerdem sind die aus der Büchse heute auch schon ganz gut.“
    „Find ick nich’. Et jeht nischt über selbst jemachte“, sagte Jünne. „Na denn kommt Jungs, jeh’n wa in de sterile Bude rüber, wenichstens darf ma da noch sein Bier saufen.“
    Gesagt, getan, die vier ließen es sich gut schmecken und kamen danach wieder an ihren Stammtisch zurück.
    „Nu werd’ ick da ooch ma’ wat frag’n“, sagte Hotte zu Helmut. „Weeßte, wat’n Pacheidel is’?“
    „Nee, aber du wirst es mir bestimmt gleich sagen.“

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Schon bald schrieb er eigene Theaterstücke, die allesamt zur Aufführung kamen. Nebenher verfasste er Romane und Drehbücher, in denen er seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Schreiben. Er beschäftigt sich auch gerne mit der jüngsten Vergangenheit und hält mitunter einen nostalgischen Rückblick auch auf das eigene Leben. Seine Liebe gilt den fünfziger Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    1. Auflage
    110 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Illustrationen: Rudolf Schuppler
    Print:
    ISBN 978-3-943018-22-6
    € 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 19,80
    E-Book (PDF):
    ISBN 978-3-943018-23-3

  • Kariert jequatscht & abgelacht

    Kariert jequatscht & abgelacht

    Kariert jequatscht & abgelacht

    Dietrich Novak / Rudolf Schuppler
    Kariert jequatscht & abjelacht

    In der deutschen Hauptstadt, wo sich alles immer etwas ruppiger anhört, als es gemeint ist, kann man sich über die Schlagfertigkeit und den Erfindungsreichtum der berühmten „Berliner Schnauze“ köstlich amüsieren. Nur eine gute Beobachtungsgabe und das Talent, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, ermöglichen Begriffe wie „Langer Lulatsch“, „Forzkruke“ oder „Sparjeltarzan“. Was nicht passend ist, wird passend gemacht. Und wer anders darüber denkt, hat eben „`ne saure Murmel“, „`nen Ding an der Bommel“ oder einfach „keene Ahnung“. Der Berliner ist eben „nich’ uff de Schnauze jefallen“. Und man muss wohl „mit Spreewasser jetauft sein“ oder zumindest die „Berliner Luft“ geatmet haben, um dies nicht übel zu nehmen, sondern sich im Ernstfall „halb tot zu lachen“. Humorvolle Dialoge und pfiffige Comics ergänzen die umfangreiche Stichwortliste und machen dieses Buch zur sprachlichen Entdeckungsreise durch Berlin.
    Print:  13,90 €  
    E-Book:  9,99 €

     

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Heute konzentriert sich Dietrich Novak hauptsächlich auf das Schreiben. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    Rudolf Schuppler ist neben seiner Tätigkeit als Kinderbuchillustrator auch als Zeichner und Cartoonist für verschiedene Steuer- und Wirtschaftszeitschriften im In- und Ausland tätig. Wohnhaft ist der Vater zweier Töchter in Mistelbach in Österreich.

    1. Auflage
    156 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Klebebindung
    Print:
    ISBN 978-3-943018-18-9
    € 13,90 (D) / € 14,90 (A) / sFr 23,50
    E-Book (PDF):
    ISBN 978-3-943018-19-6

     

  • Blümchen, Streifen und Rollmops

    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Dietrich Novak
    Blümchen, Streifen und Rollmops

    Berlin-Charlottenburg, Kaiserdamm: ein 100 Jahre altes, typisches Berliner Mietshaus, stellvertretend für so viele andere. Seine fiktive Geschichte erzählt in humorvoller und warmherziger Weise von den kleinen und großen Sorgen seiner Bewohner und ruft Erinnerungen wach an Kaisers Zeiten, die Goldenen Zwanziger, das Hitler-Berlin, die Zeit der Berliner Mauer, die Wiedervereinigung bis hin zur Jahrtausendwende.

    Print:  16,90 €
    E-Book:  11,99 €

     
    Unterhaltsam, aber auch nachdenklich schildert die Geschichte nicht nur die persönlichen Schicksale der Menschen, die in diesem Haus leben, sondern wirft auch einen Blick auf die politischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit, die Modeerscheinungen, die Musikstile und vieles andere mehr.
    Dabei kommen natürlich auch die berühmte „Berliner Schnauze“ und der typische Berliner Humor nicht zu kurz.

    Leseprobe

    Friederike und Otto Wiltkowsky saßen im Berliner Zimmer, das ihnen als Wohnzimmer diente. Der Hausherr döste auf dem Diwan vor sich hin, und seine Gattin lauschte der Musik, die von der Schelllackplatte kam, die sich auf dem Teller des sechseckigen Grammophons mit goldenem Blechtrichter drehte.
    „Mensch, Riekchen, der olle Caruso schreit ja wieder, als ob ihm wat weh tut.“
    „Ich habe schon die leisen Nadeln genommen“, sagte Friederike indigniert.
    „Hilft nur nischt. Bei seinem „O sole mio“ fällt mir ein, dass meine Stiebel mal wieder neue Sohlen brauchen. Na, wenigstens haste nich’ den Riegelotto jenommen.“
    „Wenn ich Rigoletto hören will, gehe ich in die Oper.“
    „So? Na denn weeß ick nich’, warum de die Platte jekooft hast.“
    „Damit man hinterher noch einmal die Arien hören kann, wenn man noch in Stimmung ist, du Ignorant.“
    „Dit is’ aber nich’ nett, wenn de mir so bezeichnest. Ick hab nur nich’ so viel Kulturverstand wie du.“
    „Ja, das weiß ich ja“, antwortete Friederike etwas genervt, weil sie es leid war, diese Art von Diskussionen zu führen. „Im Moment interessiert mich ganz etwas anderes. Wir müssen uns entscheiden, ob wir dem Paulicke die Wohnung im Seitenflügel geben.“
    „Warum nich’? Jetzt, wo er det Aufgebot bestellt hat. So oft, wie der hier im Haus zu tun hat, kann er ooch gleich hier wohnen, da hat er’s nich’ weit. Kann sozusagen in Latschen Malern jeh’n.“
    „Ich weiß, ich finde ihn ja auch nicht unsympathisch, aber schließlich…Was ist, wenn er arbeitslos wird? Die kleine Schuster wird die große Wohnung von ihrem Lohn nicht bezahlen können. Es hätte doch wirklich gereicht, wenn er bei ihr eingezogen wäre.“
    „Und wenn sich wat Kleenet ankündigt? Soll’n se denn zu dritt in det eene Zimmer wohnen?“
    „Warum nicht? Gegen Berthas und Augustes Kammer ist das geradezu ein Palast. Außerdem sollte das Personal, und dazu zähle ich auch die Handwerker, mehr unter sich bleiben. Als nächstes kommt noch Auguste mit einem Bräutigam an und will im Hinterhaus wohnen. Nein, irgendwie gefällt mir das nicht.“
    „Ach Riekchen, nu’ sei doch nich’ so. Warum soll’n die Arbeiter immer nur in ihre armen Bezirke wohnen? Charlottenburg is’ doch ooch nischt so Besonderet, wenn ick an Zehlendorf oder Wilmersdorf denke.“
    „Und warum haben wir dann hier gebaut und nicht im Grunewald oder am Wannsee?“
    „Weil det Bauland hier billiger war. Noch besser wären wir wech gekommen, als et noch `nen Sandweg und keen Kaiserdamm jejeben hat. Aber da hatte ick ja die Knete noch nich’. Außerdem hätt`ste im Jrunewald oder am Wannsee nich’ det Vergnügen jehabt, zu erleben, wie der Kaiser quasi unter unserem Haus U-Bahn fährt.“
    Am 16. März 1908 befuhr nämlich Kaiser Wilhelm II. erstmals diese Linie. Offiziell wurde die Strecke am 29. März eingeweiht. Die zwei vorhandenen Linien fuhren aber nicht weiter bis zum Reichskanzlerplatz, vielmehr wurde eine dritte Linie eröffnet, die nur zwischen Bismarckstraße und Reichskanzlerplatz verkehrte.
    „Wenn du mich nur aufziehen kannst“, sagte Friederike sichtlich verstimmt. „Also gut, wenn du meinst, geben wir unsere Zustimmung zum Mietvertrag, aber mach’ mir hinterher keine Vorwürfe. Ich habe dich gewarnt.“
    „Wat soll schon passieren? Wenn det Jeld knapp wird bei Paulickes, könn` se immer noch inne Einzimmerwohnung zurückziehen. Wenn bei uns nischt frei is’, denn eben in `nem anderen Haus.“
    „Das sagst ausgerechnet du als Geschäftsmann. Damit wären sie als Mieter für uns verloren.“
    „Ick denke, du legst ohnehin keenen jesteigerten Wert uff Domestiken.“
    „Deshalb muss ich sie ja nicht in ihr Unglück rennen lassen.“
    „Nee, det schaffen se schon janz alleene.“

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Schon bald schrieb er eigene Theaterstücke, die allesamt zur Aufführung kamen. Nebenher verfasste er Romane und Drehbücher, in denen er seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Schreiben. Er beschäftigt sich auch gerne mit der jüngsten Vergangenheit und hält mitunter einen nostalgischen Rückblick auch auf das eigene Leben. Seine Liebe gilt den fünfziger Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    1. Auflage
    240 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    Illustrationen: Irina Anna Hutzler
    Print:
    ISBN 978-3-943018-06-6
    € 16,90 (D) / € 17,90 (A) / sFr 26,90
    E-Book (PDF):
    ISBN 978-3-943018-07-3

  • Berlin 2042

    Berlin 2042

    Berlin 2042

    Rüdiger Lehmann
    Berlin 2042

    Die deutsche Hauptstadt droht, in Regenfluten zu versinken.
    In diesem Katastrophenszenario gewährt Richard einer unbekannten Frau Unterschlupf in seiner Wohnung und verleugnet sie vor ihren Verfolgern, die einer mysteriösen Organisation anzugehören scheinen. Doch genauso unerwartet, wie die Frau aufgetaucht ist, verschwindet sie auch wieder. Als schließlich auch Richard von den Verfolgern der Frau bedroht wird, beginnt eine Odyssee durch das mehr und mehr im Hochwasser versinkende Berlin. Welches Geheimnis umgibt die Frau und wird Richard sie retten können?

    Print:   von 16,90  auf  7,90 €  
    E-Book: von 15,99 €  auf 6,99 €

     

    Leseprobe:

    Freitag, 15. August 2042

    Kurz nach neun war ich aufgestanden und hatte den Rest des Tages vertrödelt. Ein Blick nach draußen zeigte mir, dass noch immer das Sauwetter der letzten Tage herrschte. Eine kaum zu durchdringende Regenwand hing vor dem Fenster. Hin und wieder wurde sie durch das Aufzucken eines Blitzes zerrissen, dem ein dumpfes Gurgeln folgte – als ob selbst der Donner in den Wassermassen ersaufen würde.

    Der Bahnhof Friedrichstraße, der sich zweihundert Meter entfernt von meinem Haus am Schifferbauerdamm befand, war nur als schemenhafter Buckel zu sehen. Mit Mühe konnte ich das Band der kanalisierten Spree erkennen, die unten ihres Weges zog. Ihr Pegel stieg weiter und weiter. Aber das war nur zu erahnen.

    Jede Bewegung erinnerte mich daran, wie unangenehm mir das Hemd auf dem schwitzenden Körper klebte. In meiner Wohnung, die über keine Klimaanlage verfügte, herrschten  fünfunddreißig Grad! Laut Meteo war keine Änderung des Wettergeschehens zu erwarten.

    Meine beruflichen Aussichten waren nicht besser. Jahrelang hatte ich Programme für intelligente Teppiche entwickelt. Doch nach dem Farbenskandal vom vorangegangenen Jahr war meinem Auftraggeber die Kundschaft ferngeblieben. Wer kaufte schon Teppiche, die sich nicht reinigen ließen? Da konnten sie noch so intelligent sein! Mich als Freelancer hatte es natürlich als einen der Ersten erwischt. Am Donnerstag, mitten in der Programmierung einer offenen Do-While-Schleife, erhielt ich den Anruf. Mit sofortiger Wirkung, hieß es.

    Ich trat näher ans Fenster. Gerade als ich mich fragte, wann sich die Spree mit dem See, der sich auf der Straße gebildet hatte, vereinen würde, sah ich, wie eine von der Friedrichstraße kommende Person den Schiffbauerdamm entlang eilte. Sie blickte sich immer wieder um, als würde sie verfolgt. Und tatsächlich: Jetzt sah ich zwei weitere Gestalten aus dem Regen auftauchen.

    Die einzelne Person überquerte die Straße. Gleich darauf verschwand sie unter meinem Erker. Dem Laufstil nach zu urteilen, war es eine Frau.

    Ich wechselte zum jenseitigen Fenster des Erkers in der Absicht, die Jagd von hier aus weiter zu verfolgen.

    Ich wartete vergebens.

    Stattdessen hörte ich den Türgong, dann ein lautes Klopfen. Ich schaltete das Spionbild ein. Da stand die Frau, die ich beobachtet hatte. Wie war sie ins Haus gelangt?

    Einen Moment schwankte ich. Sollte ich ihr öffnen? Mir fielen die beiden Verfolger ein. Ja, ich wollte ihr helfen.

    Sie schlüpfte herein und blickte mich durch ihre nassen Haarsträhnen unverwandt an. Angst spiegelte sich in ihren Augen. Sekunden vergingen ohne ein Wort. Da drangen aus dem Treppenhaus Schritte an mein Ohr. Behutsam schloss ich die Tür. Die Frau legte den Finger auf die Lippen und zog mich am Arm ins Innere der Wohnung. Erneut ging der Türgong. Auf dem Monitor sah ich die Verfolger, zwei Männer in Overalls. Mit wilden Gesten beschwor mich die Frau, nicht zu reagieren. Doch ich hatte bereits die Mikrotaste gedrückt und fragte die beiden, was sie wünschten.

    „Haben Sie soeben eine Frau in Ihre Wohnung gelassen?“

    Ich überlegte: Sie mussten bereits im Haus gewesen sein, als ich die Frau hereingelassen hatte. Und mit Sicherheit gab es Wasserspuren, die zu meiner Wohnung führten.

    Meine Besucherin schüttelte beschwörend den Kopf.

    Entgegen aller Logik sagte ich: „Nein, ich habe keine Frau in meine Wohnung gelassen. Warum fragen Sie?“

    „Weil einiges darauf hindeutet.“ Der Sprecher richtete seinen Blick auf den Boden. Die Wasserspritzer hatten mich verraten.

    Warum ließ ich mich überhaupt auf eine Diskussion ein? Vertrauenserweckend sahen die beiden Gestalten nicht gerade aus. Der kleinere von ihnen hatte an der linken Schläfe eine Narbe, die von dem inzwischen nachgewachsenen Haar noch nicht wieder ganz verdeckt wurde. Ich zoomte näher heran und sah den typischen Abdruck neben dem Ohr: Der Mann hatte sich einen Kommunikationschip implantieren lassen. Das Ding kam bei Telefoniersüchtigen mehr und mehr in Mode. Die Narbe war das Bemerkenswerteste an dem sonst blassen Gesicht. Das seines Begleiters war dafür umso imposanter, fast furchteinflößend. Der schwarze Vollbart und die scharf geschnittene Hakennase ließen mich unwillkürlich an einen Piraten denken.

    „Darf ich fragen, wer Sie sind?“

    „Wir kommen im Auftrag der…“, begann der Chipmensch zu sprechen. Doch der Pirat, der bisher geschwiegen hatte, fiel ihm ins Wort. Waren sie sich nicht einig?„Wir vertreten die Interessen einer gemeinnützigen Vereinigung, die sich um Personen mit nicht normgerechtem Verhalten kümmert. Ihre Besucherin ist eine von ihnen.“

    Autorenvita

    Rüdiger Lehmann wurde 1956 in Bautzen/Sachsen geboren und kam 1978 zum Studium der Außenwirtschaft nach Berlin. Kurz vor dem Mauerfall 1989 siedelte er in die Bundesrepublik über. Seine Tätigkeit als EDV-Berater übte er in Frankfurt/M., London, Atlanta/Georgia, Nürnberg und Basel aus. 2004 kehrte er nach Berlin zurück. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit geht er der Beschäftigung als Komparse und Kleindarsteller für TV- und Kinoproduktionen nach.

    1. Auflage
    234 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Klebebindung
    Illustrationen: Kathi Andree
    Print:
    ISBN 978-3-943018-28-8
    € 7,90 (D) / € 17,90 (A) / sFr 30,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-43-1

     

  • Such mich in Berlin

    Such mich in Belrin

    Such mich in Berlin

    Dietrich Novak
    Such mich in Berlin

    Marie und Vera, zwei Frauen aus Berlin, die sich schon seit Kindertagen kennen, verbindet etwas: Beide werden von Albträumen gequält und glauben, nicht zum ersten Mal in Berlin zu leben. Gemeinsam beschließen die beiden Freundinnen, intensive Nachforschungen zu betreiben.
    Vera glaubt, sich in einem alten Fotoalbum als „Helga“ wiederzuerkennen, die in den sechziger Jahren mit ihren Eltern in Ostberlin gelebt hat, und setzt alles daran, ihren damaligen Geliebten zurückzugewinnen. Und Marie ist sich sicher, in den fünfziger Jahren als „Cindy“, das Kind einer Deutschen und eines amerikanischen Soldaten, in Westberlin gelebt zu haben. Sie verliert sich in Rachefantasien gegenüber einer Frau, die sie als Schuldige an einer lange zurückliegenden Familientragödie ausmacht, und schreckt auch nicht davor zurück, ein Verbrechen zu begehen. Eine spannende Spurensuche mit viel Berliner Lokalkolorit und einer guten Prise Nostalgie.

    Print: 13,90 €  
    E-Book:  9,99 €   

    Rezension: lesen

    Leseprobe

    Ein einziges Mal war sie ihren Prinzipien untreu geworden und hatte dem Werben eines Verehrers nachgegeben. In jener Nacht des Jahres 1992 saßen wir in einer angesagten Diskothek auf einer Polsterbank, vor einem kleinen quadratischen Tisch mit halb gefüllten Gläsern. Vera trug ihr dunkles Haar mittlerweile lang und glatt im Stil einer Francoise Hardy, dem französischen Schallplattenstar der sechziger Jahre. Sie schaute den tanzenden jungen Leuten zu, die sich auf der Tanzfläche tummelten. Ihre Blicke waren suchend, beinahe etwas gehetzt. Bei einem langsamen, etwas leiseren Musikstück sprach ich sie an.
    „Willst du dich nicht auch mal auffordern lassen? Du kannst doch nicht immer nur alleine tanzen. Es sind ein paar ganz hübsche Typen hier.“
    „Nein, danke. Die sind mir alle viel zu grün“, sagte sie abweisend.
    „Und deine Kollegen in der Berufsschule oder in der BfA, da hast du doch die große Auswahl, bei so vielen Angestellten. Ist da keiner dabei, der dir gefällt?“
    „Nicht einer. Die Azubis sind die gleichen Jüngelchen wie hier, und die Mitarbeiter in der BfA sind überwiegend verheiratet, aber sie würden mir ohnehin nicht gefallen.“
    „Weil keiner wie Peter aussieht?“
    „Genau.“
    „Was war er eigentlich für ein Typ?“
    Plötzlich wurde Veras Blick starr. Sie war wie gebannt von einem jungen Mann mit markantem Gesicht und aschblonden, glatten Haaren. So hatte ich sie noch nie erlebt.
    „Guck mal unauffällig zur Bar rüber. Der mit den zurückgekämmten Haaren ist Peter wie aus dem Gesicht geschnitten“, flüsterte sie.
    „Hübscher Kerl, zwar nicht mein Typ, aber nicht schlecht. Aber dein Peter kann es wohl kaum sein. Wenn er überhaupt noch lebt, müsste er so um die Fünfzig sein.“
    „Ich weiß, dass er noch lebt, so wie du weißt, dass du Cindy warst“, sagte sie beschwörend.
    „Ja, aber der könnte allenfalls sein Sohn sein.“
    Vera reagierte ärgerlich. „Weiß ich ja, aber er sieht wirklich genauso aus wie Peter.“
    Dem Burschen war nicht entgangen, dass wir ihn gemustert und über ihn gesprochen hatten. Er kam direkt auf Vera zu und forderte sie zum Tanzen auf. Vera folgte ihm wie hypnotisiert. Ich schaute ihnen eine Weile beim Tanzen zu. Als ich plötzlich spürte, wie müde ich war, nahm ich einen Zettel aus meiner Tasche und schrieb: „Muss morgen früher in der Buchhandlung sein. Wir telefonieren. Viel Spaß. Cindy.“
    Nachdem ich den Zettel unter Veras Glas gelegt, ihr kurz zugewinkt, und sie genickt hatte, verließ ich die Diskothek. Ich sog dankbar die frische Luft ein und war froh, der hämmernden Musik entkommen zu sein.

    Julia machte ein pikiertes Gesicht. „Jetzt sag’ bloß noch du glaubst, ooch schon mal jelebt zu haben. Wat warste denn? Vielleicht die Tochter von een Pharao?“
    „Nein, sicher nicht. Aber mir kommt es vor, als sei ich schon mal von einem Hochhaus gefallen. Wenn du es genau wissen willst.“ Veras Ton war dabei ganz sachlich.
    „Det gloob’ ick nich’. Solche Angst, wie du vor det Dreimeterbrett im Schwimmbad hast“, ließ Julia nicht locker. „Warum biste überhaupt vom Schwimmunterricht freijestellt? Wahrscheinlich weil de Angst vor Wasser hast.“
    Ich zuckte fast unmerklich zusammen.
    „Jenau wie Marie“, plapperte Julia weiter. „Wisster, wat ick gloobe? Ihr habt nur einfach keene Lust. Tolle Masche, die ihr euch da ausjedacht habt.“
    Vera sah sie durchdringend an „Und weißt du, was ich glaube? Dass du eine selten dämliche Kuh bist.“
    Julia funkelte sie einen Moment böse an, sprang wortlos auf und ging zu einer in etwas Entfernung stehenden Mädchengruppe. Sie sprach hastig auf sie ein. Alle schauten zu uns herüber. Vera nahm kurzerhand ihren Apfelrest und warf ihn in ihre Richtung.
    „Stimmt das mit dem Hochhaus? Du hast mir noch nie davon erzählt“, fragte ich leise, damit es die anderen nicht hören konnten.
    „Das weiß niemand. Hätte ich nur meine Klappe gehalten. Aber es hat mich geärgert, dass sie über Martin hergezogen ist, diese Zicke. Ich mag ihn und seine Geschichten. Egal, ob sie wahr oder erfunden sind.“
    „Kannst du dich noch an mehr erinnern?“
    „Ja, ich liege mit Peter im Bett und bin restlos glücklich.“
    „Ist Peter dein Bruder?“
    „Nein, er ist mein Liebster“
    Mir blieb die Spucke weg. „Du hast einen Freund?“
    „Nein, nicht jetzt, früher, viel früher.“
    „Du meinst im Sandkasten?“
    „Quatsch. Ich sage doch viel früher. Wir waren beide erwachsen.“
    Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
    „Ich muss so Anfang Zwanzig gewesen sein. Und Peter war meine große Liebe. Aber er wollte mich verlassen.“
    „Warum? Hat er dich nicht geliebt?“
    „Doch, ich glaube schon. Aber ich wollte nicht mit ihm fortgehen. Ich hatte zuviel Angst.“
    „Hast du eine Ahnung,  in welcher Zeit das gewesen sein soll?“
    „Ich glaube in den Sechzigern. Ich sehe immer am Schrank ein Kleid hängen, wie es meine Oma auf alten Fotos getragen hat.“

    Autorenvita

    Als typisches Kind der fünfziger Jahre galt Dietrich Novaks Interesse schon immer dem Film, den schönen Künsten und seiner Heimatstadt Berlin. In reiferen Jahren erhielt er die Möglichkeit, sich einen Traum zu erfüllen und selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Schon bald schrieb er eigene Theaterstücke, die allesamt zur Aufführung kamen. Nebenher verfasste er Romane und Drehbücher, in denen er seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Heute konzentriert er sich hauptsächlich auf das Schreiben. Er beschäftigt sich auch gerne mit der jüngsten Vergangenheit und hält mitunter einen nostalgischen Rückblick auch auf das eigene Leben. Seine Liebe gilt den fünfziger Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder. Als Maler kann er auf diverse erfolgreiche Einzel- und Gruppenausstellungen zurückblicken.

    1. Auflage
    192 Seiten
    Schwarzweiß-Illustrationen
    Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
    WG Unterhaltung
    Illustrationen: Kathi Andree
    Print:
    ISBN 978-3-943018-34-9
    € 13,90 (D) / € 14,90 (A) / sFr 20,90
    E-Book (EPUB):
    ISBN 978-3-943018-35-6