Männerfang und Katzenjammer

Männerfang und KatzenjammerAndreas Seiller
Männerfang und Katzenjammer
Nach dem plötzlichen Tod ihres Goldfischs Frau Maier erkennt Eva Tunke, dass sie ziemlich einsam ist. Sie beschließt, sich mit allerlei guten und weniger guten Ideen ihren Traummann zu angeln. Unterstützt von ihrem verfressenen Kater Herrn Schmitt, ihrer ständig nörgelnden Mutter und sogar mit der Hilfe vom lieben Gott begibt sie sich auf Männerfang, lässt dabei allerdings kein Fettnäpfchen aus. Nach einigen Reinfällen lernt sie irgendwann Adam Apfel kennen …
Kater Schmitt weiß nicht mehr ein noch aus. Ständig muss er die Launen seines Frauchens Eva ertragen und sie sogar in den Urlaub auf einen Bauernhof begleiten. Dort verliebt er sich unsterblich in Kleopatra, die schönste und begehrteste Katze auf dem Hof. Doch er hat einen furchtbaren Widersacher: den grauen Kater und sein brutales Gefolge. Ein hartes Training steht Kater Schmitt bevor, doch für die Dame seines Herzens ist ihm keine Anstrengung zu viel.
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Leseprobe

Ist Eva schon da?“

Bernd Melzer, der Geschäftsführer der Gebäudereinigungsfirma „Sauber bis in die Ecken“ sah sich prüfend, fast sogar schon ein wenig ängstlich in seinen Geschäftsräumen um.

„Nein, noch nicht, Herr Melzer. Erwarten Sie etwa schon die nächste Katastrophe?“ Die junge Blondine hinter dem PC lächelte ihn vielsagend an.
„Ja, nein … Ach, das ist nicht so einfach mit Eva. Außerdem ist sie ja auch noch meine Cousine, und wer würde einen solchen …, na ja, eine solche Frau schon einstellen?“
In diesem Moment klingelte das Telefon.
„Sauber bis in die Ecken. Sie sprechen mit Melanie Schneider.“
Melzer hörte das laute Geschrei, das aus dem Hörer erklang, obwohl er zwei Meter davon entfernt stand. Erschrocken hielt sich Frau Schneider die Hörmuschel von ihrem Ohr weg.
„Weißer Markenteppich … Rotkrautflecken … Eva Tunke …“
Melzer hielt sich die Hand vor die Augen. Das klang nach heftigem Ärger.
Die junge Sekretärin zuckte leicht mit der Schulter und hob ihrem Chef den Hörer hin. Dieser atmete noch einmal tief durch, dann nahm er ihn entgegen. „Melzer am Apparat. Ich bin der Geschäftsführer. Wie ich höre, gab es ein kleines Problem?“
Eine Frauenstimme, die die Kraft eines Orkans hatte, schlug ihm entgegen und ließ ihn erschrocken zusammenfahren. „Diese grässliche Person hat meinen neuen weißen Markenteppich völlig ruiniert. Sie werden mir für diesen Schaden aufkommen!“
„Aber beruhigen Sie dich doch bitte, Frau Petzold. Was genau ist denn geschehen?“ Melzer setzte sich. Seine Beine zitterten. Was hatte Eva den nun schon wieder angestellt? Diese Frau war ein lebendes Desaster!
„Ihre Mitarbeiterin hat Rotkraut auf meinen Teppich fallen lassen und …“
„Rotkraut?“ Melzer glaubte, falsch gehört zu haben. „Haben Sie eben Rotkraut gesagt, Frau Petzold?“
„Ja, diese Person hatte Rotkraut auf ihrem Frühstücksbrötchen, und beim Essen ist ihr davon etwas auf meinen Teppich gefallen!“
Melzer sackte auf seinem Stuhl zusammen. Wer belegte sich schon ein Brötchen mit Rotkraut und aß dieses dann, während er auf einem weißen Teppich stand? Das konnte nur Eva gewesen sein. Kein normaler Mensch …
„Wir werden natürlich für den entstandenen Schaden aufkommen, Frau Petzold. Ich schaue mir das morgen gleich mal an. Machen Sie sich bitte keine Sorgen, ich kümmere mich persönlich darum!“
Er beendete das Gespräch, und seine Miene verfinsterte sich. „Bald gibt es keine Versicherung mehr, die mit unserer Firma zusammenarbeiten will. Ich bezahle jetzt schon horrende Beiträge. Es muss etwas passieren – und zwar schleunigst!“

Noch am selben Abend wartete Melzer auf das Erscheinen seiner Mitarbeiterin. „Eva, ich habe ein Hühnchen mit dir zu rupfen!“, sagte er mit strengem Blick und bat sie in sein Büro.

„Was ist denn passiert, Berndchen? Du bist ja ganz bleich im Gesicht.“

„Nenne mich doch nicht immer Berndchen! Das habe ich schon gehasst, als wir im Kindergarten zusammen gespielt haben. Ich bin ein erwachsener Mann und heiße Bernd!“

Eva lächelte. Sie würde ihn weiterhin Berndchen nennen, auch wenn es ihm nicht gefiel.

Melzer setzte sich auf seinen Stuhl und sah sie an. Eva war eine kleine, zierliche Frau mit einer sportlichen Figur. Sie hatte eine kleine Stupsnase, die ihr ein jugendliches Aussehen verlieh. Ihre braunen Haare fielen ihr lockig über die Schultern. Die eisgrauen Augen bildeten dazu einen wundervollen Kontrast. Er hatte bei keiner anderen Frau jemals solche Augen gesehen.

Seine Cousine war im Grunde eine Schönheit, und es wunderte jeden, dass sie bisher noch keinen Mann abbekommen hatte und nun mit einundvierzig Jahren noch immer alleinstehend war. Vielleicht war das aber auch gut so, zumindest für den betreffenden Mann. Wahrscheinlich würde sie ihn sowieso mit ihrer fatalen Ungeschicktheit umbringen, aus Versehen vergiften, ihm ein Elektrogerät in die Badewanne fallen lassen oder ihn beim Wegräumen des Bestecks unabsichtlich erstechen.

Melzer schüttelte es bei diesem Gedanken, und er sah sie streng an. „Frau Petzold hat heute angerufen. Kannst du dir denken, weshalb?“

Eva tat so, als müsste sie überlegen. „Hat sie gepetzt wegen dem klitzekleinen Fleck auf dem alten Teppichboden?“

Autorenvita

Andreas Seiller wurde 1967 in Esthal, einem kleinen Walddorf in der Pfalz, geboren. Sein erstes Bilderbuch veröffentlichte er im Jahr 2004. Von 2005 bis 2007 arbeitete er als nebenberuflicher Lektor für die Weltbild Autorenschule. In den letzten Jahren erschienen von ihm drei Kinderbücher, außerdem wurden zahlreiche Geschichten in Anthologien veröffentlicht. Inspiriert wird er bei vielen Kindertexten von seinen beiden Kindern Kim-Michelle und Robin. Er lebt heute in Kirrweiler in der Pfalz und ist hauptberuflich Vertriebsmitarbeiter im medizinischen Softwarebereich. „Männerfang und Katzenjammer“ ist sein erster Roman im hnb-verlag.

1. Auflage
Ca. 220 Seiten
Softcover, Klebebindung
Print:
ISBN 978-3-944266-21-3
€ 13,90 (D) / € 14,90 (A) / sFr 20,90
E-Book (EPUB):
ISBN 978-3-944266-22-0

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