Im rauen Gegenwind

Im rauen Gegenwind

Im rauen Gegenwind

Meike Janssen
Im rauen Gegenwind
Ein Ostfriesland-Roman

Eigentlich ist Mareke nur für eine Familienfeier in ihre ostfriesische Heimat zurückgekehrt, die ihr längst fremd geworden ist. Die ehrgeizige, erfolgreiche Historikerin möchte ein paar Tage Urlaub machen, um über den Heiratsantrag ihres Freundes nachzudenken. Sie kann es jedoch nicht lassen und beschließt, ausgerechnet ihre frühere Schule in ein Projekt aufzunehmen, an dem sie gerade arbeitet. Ihre Erinnerungen an die schwierige Zeit, die sie dort verbracht hat, glaubt sie, von diesem Vorhaben trennen zu können.
Durch die ständige Konfrontation mit Ostfriesland und seinen Besonderheiten gelangt sie jedoch schon bald an die Grenze ihres Ehrgeizes und setzt sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinander.

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Leseprobe

Von Berlin wegzukommen, bedeutete auch, für ein paar Tage von Henry wegzukommen. Er hatte ihr vor kurzem während einer gemeinsamen Englandreise einen Heiratsantrag gemacht und sie damit völlig verstört. Sie brauchte etwas Abstand, um darüber nachzudenken. Sie liebte Henry über alles, aber an den Gedanken, dass er den Rest seines Lebens mit ihr verbringen wollte, hatte sie sich noch nicht gewöhnt. Den Antrag hatte sie zunächst verwirrt abgelehnt und sich Bedenkzeit ausgebeten. Henry hatte sie traurig, aber verständnisvoll wegfahren lassen. Mareke war ihm dankbar dafür und hoffte genau wie er, dass sie in den nächsten Tagen eine endgültige Antwort finden würde.
Am nächsten Morgen dachte sie an ihren ersten Besuch beim Schloss und fragte sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, ausgerechnet hierher zu kommen. Warum nur war ihr nichts Besseres eingefallen als im Schatten ihrer alten Schule und anlässlich der Goldenen Hochzeit ihrer Eltern diese Frage aller Fragen beantworten zu wollen? Mareke schüttelte über sich selbst den Kopf, während sie beobachtete, welche Form das Wölkchen auf dem Tee heute annahm.
Nach dem Frühstück fuhr sie mit einem Fahrrad ihrer Pensionswirtin die wenigen Kilometer bis an die Nordsee. Als sie angekommen war, ließ sie sich erschöpft in den Sand fallen. Hinter ihr mähten die Schafe pflichtbewusst den Deich. Der Strand war zum Glück leer, es wollte noch nicht einmal jemand die unsägliche Kurtaxe von ihr. Doch dies würde sich schnell ändern, wenn die Saison wieder anfing. Dann würde sie mit Papa wieder herkommen müssen, dachte sie, der kannte früher alle Tricks, um kostenlos an den Strand zu kommen.
Langsam kam sie wieder zu Atem. Der Gegenwind hatte ihr zu schaffen gemacht.
„Seltsam, nicht? Als du noch jeden Morgen um sieben mit dem Fahrrad zur Bushaltestelle fahren musstest, hat dir der Wind nicht so viel ausgemacht, oder?“, spottete etwas in ihr.
Allerdings verdrängte sie lieber den Gedanken, dass ihre Kondition durch das Großstadtleben offenbar gelitten hatte, und blickte hinaus auf das Wattenmeer.
Die Flut hatte wieder eingesetzt. Wie alt war dieses Meer schon? Was hatte es schon alles gesehen? Wie viele Schiffe waren untergegangen und Menschen ertrunken? Wie viele Menschen hatten früher im Dunkeln die Sandbänke mit der Küste verwechselt und waren jämmerlich ums Leben gekommen? Auch heute konnten es immer noch einige Leichtsinnige nicht lassen, auf eigene Faust im Wattenmeer herumzuwandern, und wurden böse überrascht, wenn das Wasser schneller wieder heranzog, als sie dachten. Wie viele Sturmfluten hatten das Land immer wieder verwüstet, bevor man mit dem Deichbau begann? Well neet will dieken, de mutt wieken. Da hatte es nichts gegeben. Es gab viele Geschichten von versunkenen Orten irgendwo zwischen der Küste und den Inseln. Wie viele Quadratmeter Land hatten die Menschen dem Meer seitdem wieder abgerungen? Und wann würde das Meer sich dieses Land zurückholen?
Mareke beobachtete lange das heranziehende Wasser und mit jedem Wellenschlag wurde die Stimme in ihr lauter

Autorenvita

Meike Janssen, 1971 in Aurich geboren, wuchs als jüngstes von vier Geschwistern auf dem Land in Ostfriesland auf und entdeckte schon früh ihre Liebe zum Schreiben. Nach ihrer Schulzeit zog sie nach Berlin und studierte Betriebswirtschaft in Berlin und Cambridge. Die Besuche in ihrer norddeutschen Heimat nutzt sie gerne zum ausgiebigen Fahrradfahren. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. „Im Gegenwind“ ist ihr erster Roman.

1. Auflage
228 Seiten
Softcover, Glanzeinband, Klebebindung
Print
ISBN 978-3-943018-55-4
€ 12,90 (D) / € 13,90 (A) / sFr 18,50
E-Book (EPUB):
ISBN 978-3-944266-03-9

 

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